An Ostern ist nicht der Osterhase geboren.

07/04/2017

An Ostern ist nicht der Osterhase geboren

Warum feiern wir Ostern? Eigentlich ist das eine Frage, die jeder durchschnittlich gebildete Mensch aus dem Effeff beantworten können müsste. Leider ist dem nicht so. Ich werde zum Beispiel nie die Begegnung mit der Mutter eines ehemaligen Freundes (er ist nicht deswegen „ehemalig“ ;)) vergessen, die überhaupt keinen Schimmer hatte, was es mit diesem Fest auf sich hat. Für sie bedeutete Ostern, dass man am Osterfeuer lecker Eierlikör in sich hineinkippen und ohne Reue Schokohasen verdrücken durfte. Als ich sie fragte, ob sie denn noch nie etwas von der Auferstehungsgeschichte in der Bibel gehört hatte, winkte sie mit verzerrter Miene ab und sagte: „ Mit Religion haben wir hier nix am Hut.“

Ich bin letztes Jahr aus der katholischen Kirche ausgetreten, weil auch ich mit Religion „nichts am Hut“ habe. Aber dennoch gehört es für mich schlicht und ergreifend zur Allgemeinbildung, dass ich weiß, wo der Ursprung der Feste liegt, die wir alljährlich feiern und dass ich meinem Kind dieses Wissen weitergebe. Viele Kinder von heute denken, dass an Ostern der Osterhase Geburtstag hat oder verbinden dieses Fest einzig und allein mit Süßigkeiten essen und Geschenke absahnen. Ähnliches kennt man von Weihnachten. Eine Auseinandersetzung mit der Symbolik der biblischen Geschichten und wie man diese und ihre vermittelnden Werte auf unsere heutige Zeit adaptieren kann, bleibt in vielen Familien leider (Gottes) auf der Strecke.

Aber was bedeutet Ostern, wenn es nicht um Eier suchen und Geschenke geht?

Ostern ist ein Fest der Nächstenliebe und des Neuanfangs. Am Gründonnerstag fand das Abendmahl statt, an dem Jesus mit seinen Jüngern das Brot brach. Er wusste bereits, dass einer seiner Jünger ihn an die Römer verraten hatte und er bald sterben würde. Dennoch wusch er jedem einzelnen von ihnen die Füße als Zeichen der Hingabe und der Vergebung.

Die Auferstehung am Ostersonntag steht für einen Neubeginn und für den christlichen Glauben, dass das Leben nach dem Tod nicht zu Ende ist. An Ostern nimmt man zudem Abschied von Vergangenem und freut sich auf die Zukunft. Ich finde diese Symbolik wunderschön, ganz gleich, ob man Christ ist oder nicht. Manche, mit denen ich über dieses Thema gesprochen habe, verdrehten die Augen und sagten: „Als ob Jesus wirklich auferstanden ist. Ich erzähle doch meinem Kind nicht solche Märchen.“ Seit wann erzählen wir unseren Kindern denn keine Märchen mehr? Kinder können sehr gut zwischen Wirklichkeit und Fantasie differenzieren, wenn wir es ihnen anständig vermitteln. Es geht nicht darum, ob Jesus wirklich auferstanden ist oder nicht. Man darf daran glauben. Genauso wie Kinder gern an den Weihnachtsmann glauben dürfen oder daran, dass Tiere sprechen können.

Oster-Bräuche – Christlich, jüdisch, alles gemischt

Die meisten Dinge, die wir mit Ostern verbinden, stammen aus christlichen Bräuchen. Das Ei steht im Christentum für den Neubeginn und die Unendlichkeit des Lebens. Das Osterfeuer ist für Christen ein wichtiges Ritual, dass die Unsterblichkeit von Jesus Christus symbolisiert. Es wird aber auch heute gern von Nichtgläubigen entfacht und dient als Licht- und Wärmequelle auf Straßenfesten. Das Osterlamm stammt eigentlich aus dem jüdischen Passahfest und steht im Christentum für das Opfer Jesu. Der Osterhase kam erst sehr viel später ins Spiel, als Eltern anfingen, die Eier für ihre Kinder zu verstecken. Als sehr fortpflanzungswilliges Tier symbolisiert er die Fruchtbarkeit.

Ich finde es überhaupt nicht schlimm, wenn man an Ostern christliche, jüdische und nicht-religiöse Bräuche miteinander vermischt. Ganz im Gegenteil. Johannes ist wohl bedacht nicht getauft worden, da wir ihm selbst die Entscheidung überlassen möchten, ob und wenn ja, welcher Religionsgemeinschaft er sich einmal zugehörig fühlt. Aber damit er sich überhaupt differenziert damit auseinandersetzen kann, ist es meines Erachtens unsere Aufgabe, ihm gewisse Grundlagen zu vermitteln. Ganz ohne Wertung.

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