Mein Geburtsbericht im Mummy Mag

11/12/2015

Vor einigen Tagen veröffentlichte das wundervolle Mummy Mag meinen ganz persönlichen Bericht über die Geburt von Johannes. Hier kannst Du die Geschichte nochmal nachlesen:

Als ich erfuhr, dass ich schwanger bin, wollte ich gerade zu einem Vorstellungsgespräch. Ein Bekannter hatte mir einen interessanten Job in Hamburg angeboten. Um 9 Uhr ging mein Zug, um 7:30 Uhr saß ich auf der Toilette und hielt den positiven Test in der Hand. Mir wurde schlecht. Ist das schon die berühmte Morgenübelkeit? Nein, vermutlich nur die aufkommende Panik, die sich in mir breit machte. Ich tigerte in der Wohnung auf und ab und versuchte meine Gedanken zu ordnen. Das dauerte so lange, dass ich beinahe den Zug verpasste. Aber nur beinahe. Nach dem Vorstellungsgespräch war ich vollkommen verzweifelt. Der Job hörte sich toll an. Bereits auf der Rückfahrt nach Berlin, erhielt ich den Anruf: „ Wir würden sehr gern mit Dir zusammenarbeiten!“ Na super. War ja klar.
Was nun? Erstmal dem Mann alles beichten. Der freute sich nämlich schon auf Fischbrötchen und Reeperbahn. Daraus wird leider vorerst nix, Schatz. Was hältst du stattdessen von Babybrei und Geburtsvorbereitungskurs?
Keine Frage: Wir wünschten uns ein Kind. Aber der Zeitpunkt war echt suboptimal. Mein Mann nahm die Hiobsbotschaft überraschend gut auf und nach einigen Tagen in Schockstarre überwog langsam aber sicher die Freude.

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Die Schwangerschaft verlief problemlos. Jedenfalls für mich. Mein Mann sagt hingegen, die ersten drei Monate waren die schlimmsten seines Lebens. Ja, ich war sicher nicht ganz unkompliziert. Hormone halt. Zum Ende hin bekam ich schlimme Kreislaufprobleme und wachte hin und wieder benommen im Krankenhaus auf, weil ich irgendwo auf der Straße in Ohnmacht gefallen war. Ich traute mich kaum noch allein aus dem Haus und die letzten Wochen vor dem Entbindungstermin langweilte ich mich zu Tode. Ich wollte, dass es endlich losgeht. Geduld ist nicht gerade meine Stärke. Also machte ich ganz viel Sport. Meine “Fitness für Schwangere“-DVD konnte ich irgendwann mitsprechen. Zwei Tage vor dem Stichtag ging es langsam los. Beim ersten Ziehen im Unterleib fuhren wir, wie von der Tarantel gestochen, ins Krankenhaus. Natürlich vieeeel zu früh und die Hebamme schickte uns gleich wieder nach Hause. In den nächsten Tagen und Nächten wiederholte sich diese Szene noch drei oder viermal. Genau weiß ich das nicht mehr. Beim letzten Mal sagte die Hebamme zu uns: „Kommen Sie bitte erst wieder, wenn Sie vor Schmerzen nicht mehr stehen können.” Das nahm ich wörtlich.

Am 23.07.2013 gegen 14 Uhr schleppte mich mein Mann zum Kreissaal. Es war Stichtag. Unser Sohn wollte anscheinend eine Punktlandung hinlegen. Dann ging irgendwie alles ganz schnell. Ich wurde auf Wunsch in die Badewanne gelegt. Dann kam meine Mutter noch dazu. Die Schmerzen wurden immer schlimmer. Auf dem Flur hörte ich eine Frauenstimme sagen: „Frau von Hilchen? Ah, die übernehme ich.“ Juhu, meine Wunsch-Hebamme hatte Dienst. Ein Stein fiel mir vom Herzen. Bianca kannte ich von der Vorsorge bei meinem Frauenarzt. Ich hatte mich gegen eine Beleghebamme entschieden und merkte nun, wie dumm das war. Was für ein riesiges Glück, dass mich trotzdem ein vertrautes Gesicht durch die nächsten Stunden begleiten würde. Als ich aus der Badewanne gehievt wurde, konnte ich vor Schmerzen nicht mehr laufen. Ich bettelte nach einer PDA und meine Hebamme versprach mir, dem Anästhesisten Bescheid zu geben. Dieser Hoffnungsschimmer trug mich durch die nächsten Wehen, die immer heftiger wurden. Der Sommer 2013 war sehr heiß und ich trank literweise Wasser. Meine Mutter und mein Mann wichen nicht von meiner Seite. Ich machte mir langsam Sorgen um sie und fragte in einer Wehenpause nach: „Ist alles ok bei Euch?“ Die beiden fingen laut an zu lachen. Na, solange wir noch Witze machen können, scheint ja alles gut zu sein. Obwohl ich mittlerweile ernsthaft befürchtete, demnächst das Zeitliche zu segnen. Es fühlte sich an, als würde in mir ein gigantischer Stein gegen mein Becken brettern. Kurz darauf implodierte ich. „Oh Gott, was war DAS denn?“ schrie ich laut. Anscheinend war die Fruchtblase geplatzt, denn Bruchteile einer Sekunde später war das ganze Bett nass. Keine Panik, bald kriegst du die PDA. Dann hört diese Hölle auf.
Meine Hebamme Bianca machte nochmal eine Bestandsaufnahme zwischen meinen Beinen und sagte plötzlich: „Oh. Ich glaub es geht los. Das mit der PDA schaffen wir nicht mehr.“ Ich riss meinen Kopf hoch und schrie: „Was? Nee. Das mach ich nicht. Das schaff ich nicht. Echt jetzt, das geht nicht!“
Aber – was soll ich sagen? Natürlich ging das. Es musste ja gehen.

Am 23.07.2013 um 19:09 Uhr wurde mir ein kerngesundes Bündel Mensch auf die Brust gelegt. Er war so wunderschön, dass es mir den Atem raubte. Mein Mann weinte wie ein Schlosshund. Meine Mutter zückte ihr Smartphone und fotografierte wie besessen drauf los. Aber von alldem bekam ich nichts mit. Ich befand mich mit meinem kleinen Sohn Johannes in einer ganz anderen Welt.

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Camera 360

Unser Weg führte uns wenige Wochen später schließlich doch nach Hamburg. Manchmal spielt einem das Leben einen Streich. Der Job war natürlich schon vergeben, aber nun zog es meinen Mann aus beruflichen Gründen in die Hansestadt.
Die ersten Monate mit unserem Baby waren dadurch für mich nicht einfach. Ich kannte niemanden in Hamburg und fühlte mich einsam. Wir entschieden uns relativ schnell für eine Rückkehr nach Berlin und mit diesem Umzug wurde auch für mich alles wieder gut. Ich konnte endlich gemeinsam mit meiner Familie und meinen Freunden dieses Glück genießen und kam – mit etwas Verzögerung – voll und ganz in der Mutterrolle an.

Mittlerweile ist Johannes zwei Jahre alt und ich kann mir keine schönere Aufgabe vorstellen, als seine Mama zu sein. Ich möchte unbedingt noch mehr Kinder.  Aber das nächste Mal definitiv mit einer Beleghebamme. Und mit PDA. Ich werde mich viel besser vorbereiten, wenn es wieder soweit ist. Und wahrscheinlich kommt dann wieder alles anders, als gedacht. Wie so oft im Leben.IMG_262120150301_161854

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