Mein Sohn ist frech, wild… und wunderbar!

30/08/2017

Ich musste vor einigen Tagen eine unangenehme Erfahrung machen, die viele Mütter sicher kennen und so oder so ähnlich auch schon mal erlebt haben. Deshalb möchte ich davon erzählen, um der ein oder anderen unter euch, den Rücken zu stärken. Denn das brauchen wir doch alle hin und wieder einmal…

Eine gute Freundin kam zu Besuch. Wir kennen uns schon ewig, sehen uns aber eher selten. Die Gründe dafür sind, dass wir völlig unterschiedliche Leben führen und unser Alltag sich nur schwer miteinander vereinbaren lässt. Ein typisches Problem, je älter man wird. Trotzdem haben wir uns unheimlich gern und ich freue mich jedes Mal, sie zu sehen. Wir haben immer viel Spaß, ob mit oder ohne Johannes. Es gibt weder unangenehme Sprechpausen noch anderweitige Langeweile. Es ist einfach schön mit ihr. Selbst die Tatsache, dass sie keine Kinder hat und auch mit Johannes nicht so richtig viel anfangen kann, stand bislang nie zwischen uns. Bis jetzt.

Kurz nach ihrem Ankommen, passierte folgendes. Johannes erblickte am Gartenzaun seine liebste Freundin und Nachbarin Clara, die sich auf den Sockel gestellt hatte und seinen Namen rief. Johannes war sowieso schon ganz aufgeregt und die Freude über Claras Begrüßung übermannte ihn. Er rannte auf sie zu und „schubste“ sie vom Zaun hinunter. Ich setze „schubsen“ deshalb in Anführungszeichen, da er es nicht böswillig meinte, sondern sich einfach überschwänglich freute und seine Kräfte nicht unter Kontrolle hatte. So ist Johannes manchmal. Wie ein Elefant im Porzellanladen. Er erdrückt auch gern seine kleinen Spielkameraden, wenn er sie eigentlich nur liebevoll umarmen will. Die meisten kennen das schon und auch die zierliche Clara war nach einem anfänglichen Schreck gleich wieder ganz cool und schenkte Johannes einen Keks. Also alles keine große Sache.

Meine Freundin hat diese Situation – wie ich später erfuhr – schockiert. Ab diesem Zeitpunkt begann sie damit, Johannes ständig zu maßregeln. Sie forderte ihn auf „das Zauberwort“ zu nennen, wenn er sie um etwas bat. Oder wenn er aus Spaß auf ihrem Bein trommelte, sagte sie streng und sehr unfreundlich „hör auf zu hauen“. Mich irritierte dieses Verhalten. War meine Freundin eigentlich immer diejenige von uns beiden gewesen, die gesellschaftliche Konventionen für überholt hält und sich ein freies und selbstbestimmtes Leben wünscht. Sie ist auch immer diejenige gewesen, die überall zu laut lacht, wildfremde Menschen auf der Straße veräppelt oder in Berliner Szene-Clubs eine Runde „die Reise nach Jerusalem“ auf der Tanzfläche spielt. Ich bewunderte sie eigentlich immer dafür, dass sie sich ihr Kind im Geist bewahren konnte. Wem gelingt das schon? Doch ausgerechnet diese Freundin erwartete nun, dass mein vierjähriger Sohn gehorcht, funktioniert und sich den, von ihr so verlachten sozialen Normen und Gepflogenheiten anpasst.

Ich machte sie vorsichtig darauf aufmerksam, indem ich sagte „Mensch, du bist aber streng“ und dachte, das Thema sei damit vom Tisch. Aber mitnichten. Ich hatte einen Nerv getroffen und die Büchse der Pandora geöffnet. Es sprudelte aus ihr heraus, dass dieses Kind ja auch endlich mal erzogen werden müsse, sein Verhalten völlig schockierend und er (O-Ton!) ein „Spezialfall“ sei. Außerdem sei sie gerade mit Bekannten und ihren zwei Kindern im Urlaub gewesen und die hätten sich NIE „so“ benommen. Ich schluckte meine Wut und Verletzung erstmal hinunter und erwiderte einen Satz, den ich eigentlich nie in den Mund nehmen wollte: „Lass uns darüber nochmal sprechen, wenn du selbst Kinder hast“.  Denn auch wenn dieser Satz abgedroschen klingt. Er stimmt. Wenn man kinderlos ist, kann man nur schwer das Verständnis für einen kleinen Wirbelwind wie Johannes aufbringen. Ganz normale Wutanfälle – wie jedes Kind sie hat –  können einen dann tatsächlich verunsichern. Das ist völlig in Ordnung und ich würde meiner Freundin das nie übelnehmen. Aber meinen Sohn (den sie in den letzten Jahren vielleicht fünfmal erlebt hat!), so zu verurteilen und ihn als „Spezialfall“ abzustempeln, wäre selbst für eine Frau MIT Kindern anmaßend.

Grundsätzlich finde ich es falsch, einen Menschen – egal ob Kind oder Erwachsenen – zu bewerten. Und seinen Charakter anhand von zufällig miterlebten Einzelsituationen zu definieren, ist ungerecht und zeugt nicht gerade von innerer Reife.

Beziehung statt Erziehung

Wenn es um Johannes geht, höre ich schlicht und ergreifend auf meine Intuition. Ich lebe mit meinem Sohn in liebevoller Beziehung. Auf Augenhöhe. Ich glaube daran, dass jeder Mensch von Geburt an wunderbar, einzigartig und gut ist. Die Annahme, dass wir Menschen erst formen oder zu gesellschaftlich akzeptablen Vorzeige-Personen großziehen müssen, widerstrebt mir und meinem Weltbild. Das heißt nicht, dass ich alles, was mein Sohn tut, für gutheiße oder ihm keine Grenzen aufzeige. Grenzen entstehen für ihn und auch für mich auf ganz natürliche Weise. Durch unser tägliches Zusammenleben und dadurch, dass seine und meine Bedürfnisse gleichermaßen respektiert werden.

Dadurch mache ich nicht automatisch alles richtig. Manchmal werde ich auch laut oder meckere Johannes an. Immer wenn ich überfordert bin, beginne ich zu erziehen. Tue also das, was meine Freundin noch mehr von mir erwartet. Bislang ist meine Erfahrung allerdings, dass diese Maßnahmen nicht nur kontraproduktiv, sondern destruktiv sind. Sie zerstören meine Bindung zu ihm und lassen ihn an sich selbst zweifeln. Und wenn ich an die Momente zurückdenke, in denen meine Mutter oder mein Vater streng waren und mich zurechtgewiesen haben, habe ich mich in diesen Momenten stets klein gefühlt und an Selbstwertgefühl verloren. Gelernt habe ich dadurch nichts.

Kinder sollten nicht nur Kinder sein dürfen. Sie sollten auch MENSCHEN sein dürfen. Und gleichwertig zu Erwachsenen behandelt werden. Finde ich es schlimm, wenn meine Freundin das „Bitte“ in einem Satz vergisst?“. Nein, absolut nicht. Sie sagt sogar „Geil“ und „Scheiße“ und andere Wörter, für die sie mein Kind vermutlich harsch zurechtweisen würde. Nur mal so als Denkanstoß…

Vielleicht wird meine Freundin diesen Text lesen und mich und vorallem Johannes etwas besser verstehen. Und dann erfährt sie auch, dass ich nicht mehr wütend bin. Und auch nicht mehr verletzt. Sondern mir einfach nur wünsche, dass sie es schafft, sich zu erinnern, wie schön es war, „frech, wild und wunderbar“ zu sein.

16 Comments

  1. Antworten

    Mara

    Ich finde, Du hast ganz richtig reagiert. Wenn man keine Kinder hat, dann weiß man faktisch nicht, wie es ist, ein Kind aufzuziehen und sollte sich mit der Verurteilung von Eltern und Kindern zurückhalten.

    1. Antworten

      Kleinschmeckerin

      Liebe Mara, ja und ich finde auch – wie im Text geschrieben, dass auch andere Mütter und Väter nicht das Recht haben zu urteilen. Jedes Kind ist anders. Jede Mama-Kind-Beziehung ist anders. Da hat man sich nicht einzumischen. Das Urteilen über andere ist zwar immer sehr viel leichter als sich an die eigene Nase zu fassen. Aber es vergiftet den Charakter.

  2. Antworten

    Dani

    Ich habe auch so einen „Spezialfall“ Der immer ein klein wenig zu laut, zu hibbelig und zu stark ist. Und diese Situationen, in denen man sich für sein tolles, offenes, herzliches und neugierig Kind rechtfertigen soll oder andere beginnen, daran herumzuerziehen mache mich fertig. Danke für den Text

    1. Antworten

      Kleinschmeckerin

      Liebe Dani, danke für deinen Kommentar und ich freue mich, dass mein Text dich erreicht hat. Ja, es ist einfach schlimm, dass man sich immer noch und viel zu häufig für seine Kinder entschuldigen oder rechtfertigen soll. Lass dich nicht verunsichern von den anderen. Liebste Grüße!

  3. Antworten

    Christina

    Oja diese Situation kenne ich nur zu gut, und ich fühle mich dann auch immer so schlecht, wenn ich das Gefühl habe jemand ist von meinem lauten wunderbaren Jungen genervt. Aber ich erlebe es auch bei Eltern von Mädchen oder Eltern von noch jüngeren Kindern, die dieses Verhalten (noch) nicht kennen. Unsere beiden sind denke ich etwa gleich alt, meiner ist 3,5.

    1. Antworten

      Kleinschmeckerin

      Liebe Christina, danke für dein Kommentar. Obwohl ich sagen muss, dass ich es garnicht erwarte, dass alle Menschen meinen Sohn ebenso wunderbar finden, wie ich. Das geht vermutlich garnicht :). Und ich habe sogar Verständnis dafür, wenn er manchmal nervt. Ich frage zum Beispiel meine kinderlosen Freunde IMMER, ob es ok ist, wenn ich Johannes zum Treffen mitbringe. Einfach weil ich verstehen kann, wenn man nicht immer Lust und Nerven für ein Kleinkind hat. Was ich allerdings nicht toleriere ist, wenn man sich grundlegende Urteile über mein Kind und meine Erziehung erlaubt und diese dann so unverhältnismäßig formuliert.

  4. Antworten

    Marina

    Ich finde die Worte deiner Freundin sehr anmaßend und verletzend. Ein wunderbares Kind als „Spezialfall“ zu stigmatisieren finde ich sehr unfair. Ich wünsche mir, dass sie deinen Text liest und hoffe auf ihre Reflexion, ihr Verständnis und ihr Umdenken! Wünschenswert wäre dann auch, dass sie noch mal das Gespräch mit dir darüber sucht. Ich habe mich als Mama auch davon frei gemacht, solche Kommentare oder Verhaltensweisen gegenüber meinem Kind oder mein Kind betreffend zu schlucken. Du hast in meinen Augen absolut richtig reagiert, indem du ihr gezeigt hast, dass du das nicht gut findest.
    Liebe Grüße, Marina
    (, die die Hoffnung hat, dass mehr Menschen auf der Welt unsere Kinder als das annehmen können, was sie sind: wunderbar!) 🙂

    1. Antworten

      Kleinschmeckerin

      Liebe Marina, vielen Dank für deine lieben Worte. Ja es wäre schön, wenn die Menschen insgesamt mehr Verständnis für Kinder aufbringen würden. Aber solange die Welt ist, wie sie ist, wünsche ich jeder Mutter da draußen genug Stärke und Selbstbewusstsein, um über solch dämlichen Kommentaren und grenzüberschreitenden Äußerungen stehen zu können.

  5. Antworten

    Markus

    Guten Abend,
    ich bin seit 7 Jahren Erzieher und habe keine Kinder. Dennoch glaube ich, dass ich ein Recht habe, mir urteile über Menschen (oder in diesem Fall Kinder) zu bilden. Liegt ja quasi in der Natur des Menschen andere Lebewesen oder Gegenstände auf ihre Sicherheit zu überpüfen. Klingt dramatischer als ich es meine. Beispiel: Will ich respektlos behandelt werden? Möchte ich geschubst werden? Wie viel möchte ich ertragen, bis es mir schlecht geht und ich eine Grenze setze. Diese Grenze ist bei jedem individuell und sie ist bei jedem zu respektieren. (Mit einseitigen Schuldzuweisungen ist niemandem geholfen.) Du erwähnst die natürlichen Grenzen für deinen Sohn und ich finde, dass Menschen unserer Gesellschaft u.a. eine natürliche Grenze bilden. Wie deine Freundin ihre persönlichen Grenzverletzungen deines Sohnes formuliert, ist eine Sache. Aber sich und sein Kind im Sud anderer Mütter selbst zu beweihräuchern, ohne das Geschehene in seiner Gesamtheit zu reflektieren, ist genauso falsch wie die Schlussfolgerung deines Textes.

    1. Antworten

      Kleinschmeckerin

      Lieber Markus, natürliche Grenzen setze ich an ähnlichen und anderen Stellen wie Du. Ich sage Johannes auch, dass ich nicht geschubst werden möchte etc. Das ist und war auch nicht das Thema. Was ich nicht dulde und insgesamt als eine Unsitte von Menschen erachte, ist es, Kinder zu kategorisieren und als “Spezialfall“ zu betiteln, wenn sie sich einfach nur kindgerecht verhalten. Mein Sohn hat weder meine Freundin gehauen, noch sich respektlos verhalten. Sie ist übrigens auch Pädagogin (nicht für Kleinkinder) und gerade aus diesem Gesichtspunkt finde ich ihre Äußerung erschreckend. Und Urteile über Menschen zu fällen, die ich kaum kenne, liegt nicht in unser aller Natur, sondern ist einfach nur falsch und anmaßend. Ich beweihräuchere mich auch überhaupt nicht. Ich versuche lediglich Kindern, die in unserer leistungsorientierten Gesellschaft, in der man nur als angepasster
      , funktionierender Mensch etwas Wert ist, eine Lobby zu geben und Müttern den Rücken zu stärken, die Tag für Tag für ihre Erziehung von allen möglichen Leuten bewertet und kritisiert werden, obwohl dies niemandem zusteht.

  6. Antworten

    Mara

    Hallo!
    Ich kann Markus nur zustimmen.
    Ich bekam sofort ein Magengrummeln beim Lesen der Geschichte. Es ist mir, bitte nicht sauer sein, einfach zu selbstgerecht. Ich bin vierfache Mutter, allerdings sind die Wildfänge schon Teenager.
    Kinder brauchen Erziehung. Auch Du erziehst, auch wenn Du es lieber anders verpacken willst. Und nein, Kinder sind nicht auf Augenhöhe. Klingt jetzt ganz hart. Ist aber so. Das liegt an zwei banalen Dingen. Erstens bist du größer und zweitens hast du deutlich mehr Lebenserfahrung. Die Natur hat es auch extra so eingerichtet, dass man erst Nachwuchs bekommen kann, wenn beides gegeben ist. Grenzen setzen hat nichts mit Herabwürdigen zu tun, sondern mit Einfühlung. Einfühlung bedeutet auch, dass ich danach gucke, was mein Kind an Rüstzeug (auch für eine spätere Partnerschaft) braucht. Einfühlung meint NICHT, dass ich bei mir und meiner Angst vor Grenzsetzung und Normen bin. Und leider klingt es danach. An keiner Stelle kommt der Gedanke, warum Deine Freundin wohl so reagieren könnte? Du magst sie, sie scheint ein netter Mensch zu sein. Sie fühlt sich aber offenbar in ihren Bedürfnissen gar nicht wahrgenommen. Anders kann so eine unschöne Bemerkung über „Spezialfall“ kaum erklärt werden. Sie muss sehr wütend gewesen sein. Hast Du mal gefragt, was ihren Ärger ausmacht? Du bist ja ihre Freundin!
    Und Johannes? Warum soll er nicht lernen dürfen, dass es jetzt mal ein Stopp gibt, einfach nur, weil jemand anderes genervt ist??? Warum soll er mit Vier nicht lernen, dort hin zu spüren und gucken und eventuell sogar, was dann angemessen ist? Das kann man mit Vier!!! Und es ist auch Zeit, das langsam zu lernen. Denn er wird mit vielen verschiedenen Wesen auskommen müssen.
    Er darf ja dein wunderbarer Wildfang sein, aber stelle ihn nicht auf einen Sockel der Unantastbarkeit. Damit tust du ihm keinen Gefallen. Es macht ihn am Ende nicht stark, sondern wahrscheinlich sogar hilfloser im Sozialen.
    Mütter dürfen ihre Kinder immer als die großartigsten Wesen unter der Sonne finden. Das ist auch gut so. Aber daraus wächst auch eine große Verantwortung. Und wir müssen akzeptieren, dass andere es uns nicht gleich tun. Und noch besser wäre, wenn man das eigene Bild auch immer mal kritisch abgleicht mit dem, was an Rückmeldungen kommt. Sonst neigen wir vor lauter Mutterliebe dazu, unsere Kinder zu überhöhen und das alles noch ideologisch zu untermauern.

    1. Antworten

      Kleinschmeckerin

      Liebe Mara, ich gebe dir und auch Markus in vielen Punkten recht und ich glaube, hier wird mein Artikel von euch missverstanden. Johannes werden Grenzen gesetzt (das steht auch im Artikel). Von mir, seiner Familie und auch durch seine restliche Umwelt. Ich bin überhaupt keine Verfechterin davon, sein Kind gedankenlos vor allem und jeden zu verteidigen. Wie ich auch bereits in einem vorherigen Kommentar erwähnt habe, ist es für mich total in Ordnung, wenn andere Menschen ihre Grenzen festlegen und gegenüber Johannes auf respektvolle Art und Weise artikulieren. Das ist an diesem Tag so aber nicht geschehen und er wurde schlicht und ergreifend unfair behandelt und abgewertet. DAS ist ein großer Unterschied. Kinder zu kritisieren und zurechtzuweisen, ist immer ein leichtes. Die Art und Weise stelle ich dennoch in Frage. Und ja, da erwarte ich Kommunikation auf Augenhöhe! Wie soll er einen respektvollen Umgang lernen, wenn er selbst von oben herab behandelt wird? Kinder lernen am besten, durch Beobachten und Nachahmen. Das ist nicht gleichzusetzen damit, dass es bei uns keine Regeln gibt (die gibt es sehr wohl!). Und zu der Frage, ob meine Freundin sich nicht in ihren Bedürfnissen wahrgenommen sieht, kann ich ebenfalls nur wiederholen, dass ich sie vorab gefragt habe, ob es in Ordnung ist, wenn Johannes zu unserem Treffen mitkommt. Ich gehe auf ihre Bedürfnisse ein und habe auch an dem Tag selbst auf ihre Äußerungen sehr moderat und respektvoll reagiert, wie auch im Artikel festgehalten. Doch wer selbst klare Grenzen bei kleinen Kindern zieht, der muss auch selbst Grenzen einhalten. Und ein kleines Kind, das sich diesbezüglich in einem Lernprozess befindet so herabzuwerten, ist eine grobe Grenzüberschreitung. Wenn ihr an dem Tag irgendwas nicht gepasst hat, dann hätte sie das auf erwachsene Art und Weise gern erläutern können. Eine derartige Attacke auf mein Kind toleriere ich aber nicht.

  7. Antworten

    Mara

    Mmmh. Also ich möchte nicht geschubst und betrommelt werden, auch nicht von Vierjährigen, es sei denn ich balge gerade mit ihnen. Und wenn es jemanden nervt, gehört das Johannes erklärt. Man darf dabei sogar annehmen, dass der Kleine das nicht wollte…das macht ihm ein ungutes Gefühl…ja, dann darf er das in Ordnung bringen. Und mit dem Erwachsenen spricht man unter 4 Augen über die Heftigkeit. Naja, dennoch finde ich deine Reaktion schwierig. Nicht auf Augenhöhe sein, schließt respektvollen Umgang keineswegs aus. Nur mal das vorweg.
    So wie ich das verstehe, bist Du verletzt, weil Deine Freundin unfreundlich war. Unfreundlich und genervt und vermutlich sogar wütend. Das ist DEINE Verletzung und offenbar gar nicht die von Johannes. Du machst sie mit Deiner Reaktion viel größer, als sie es sein müsste. Weißt Du, Verletztsein kann erst aufhören, wenn ich den anderen ganz und gar verstehen WILL. Wenn ich mich aufraffe, ganz und gar heraus zu bekommen, was beim anderen los ist. Das ist mehr als nur zu klären, ob Johannes beim Treffen dabei sein soll. Du wertest mit Deiner Reaktion im übrigen auch. Und das ist nicht netter, nur netter verpackt. Geh doch mal weg von Deinem Gekränktsein. Du bist eine gute Mutter für Dein Kind und er Dein Augenstern. Alles gut. Aber da gibt es jemanden, der Dir eigebtlich wichtig war und der ist sauer. Vermutlich hat es etwas mit dem Verhalten von Johannes zu tun, wahrscheinlich aber hat das noch was anderes angetriggert. Es geht ja nicht darum, wer nun recht hat. In einer Freundschaft sollte es um gegenseitiges Spüren gehen. Wenn das gelingt, kann man nicht verletzt sein (was nicht heißt, dass man später trotzdem sagt, dass man einen freundlichen Ton braucht zum Wohlfühlen) und überraschenderweise kann dann meist auch der andere wieder weich und herzlich sein.
    Du setzt hier einen Artikel rein, diskreditierst Deine Freundin und willst Rückenstärkung. Ich, für meinen Geschmack, finde das falsch. Damit löst man gar nichts. Johannes verliert eine Chance zum Lernen und Du vielleicht eine Freundin.
    Es wird noch häufig Kränkungen geben. Es wird sogar Leute geben, die den eigenen Augenstern unausstehlich finden. So ist das halt. Die Patentante meiner Jüngsten hat zwei Jungen von 3 und 4. Gerade der Kleine ist nicht ohne. Aber sie respektiert jeder Zeit, wenn andere genervt sind, verlangt aber zurecht, dass man dann für sich sorgt. Ich finde den Zwerg großartig, aber ich muss das nicht dauernd. Ich darf ihn auch zum Brechen finden. Und ich darf das auch sagen. Ich darf als Freundin auch mal sagen, dass mich das oder jenes konkret nervt oder ärgert…auch dem Kleinen. Dadurch staut sich nichts an. Ich liebe ihre Jungs echt vom Herzen, den Kleinen ganz besonders, vielleicht gerade auch, weil wir alle nicht perfekt sein müssen und ich ihm das auch sagen darf. Und ja, der Zwerg ist ein „Spezialfall“. Das war seiner Mama ziemlich schnell klar. Na und!

    1. Antworten

      Kleinschmeckerin

      Liebe Mara, danke für deine weitere Rückmeldung und es ist wirklich schön, hier so einen Diskurs zu haben. Ich kann mich nur wiederholen. Kinder sind das schwächste Glied unserer Gesellschaft und ich schütze meinen Sohn vor Unfairness und Übergriffigkeit, solange er das nicht selber kann. Wieso nimmst du an, dass Johannes nicht verletzt war? Er hat das Gespräch sehr wohl mitbekommen (und da gebe ich dir recht, das hätte meine Freundin mit MIR unter 4 Augen führen können). Er bat mich kurze Zeit darauf sehr freundlich, dass meine Freundin bitte nach Hause gehen soll. Er wollte sie nicht mehr um sich haben. Kinder haben sehr feine Antennen, daher stimmt es so leider nicht, dass es hier um meine Befindlichkeiten geht. Wie ich in meinem Text ebenfalls geschrieben habe, bin ich garnicht wütend oder verletzt. Das ist auch nicht der springende Punkt dieses Artikels und ich brauche durch einen Blogbeitrag auch keine Rückendeckung einzuholen. Der Text dient als Anstoß für ein viel größeres (und scheinbar auch sehr kontroverses) Thema, das viele Mütter bewegt (denn ich habe viele Nachrichten dazu erhalten). Es geht darum, wie Kinder in unserer Gesellschaft gesehen und behandelt werden und wie Mütter von außen unter Druck gesetzt werden alles richtig machen zu müssen. Jeder möchte seinen Senf dazu geben und miterziehen. Das ist übergriffig! Ich würde mir nie anmaßen, Menschen, die ich kaum kenne (und meine Freundin kennt meinen Sohn kaum) zu beurteilen und Tipps darüber zu erteilen, wie man sie vielleicht zu angepassteren, gesellschaftskonformen Personen umerzieht. Ich maße mir ja auch nicht an, über Freundschaften oder Partnerschaften zu urteilen oder diese von außen zu bewerten. Wenn du es normal findest, einen 3-Jährigen zum Brechen zu finden und das deiner Freundin oder gar dem Kleinen ins Gesicht zu sagen, dann ist das eure Sache. Ich möchte so jedenfalls nicht beleidigt werden. Und dass man in einer Zeit, in der sogenannte „Spezialfälle“ nur allzu gern im zartesten Schulalter mit Medikamenten (Ritalin) ruhig gestellt werden, diese oder andere Begriffe nicht gedankenlos verwenden sollte – dabei bleibe ich. Was meine Freundin angeht, so habe ich sie keineswegs diskreditiert, da ich hier keine Unwahrheiten verbreite und sie auch nicht beim Namen nenne.

      Und nochmal: Ich habe nichts dagegen, wenn andere Personen gegenüber meinem Sohn ihre eigenen Grenzen äußern. Aber bitte fair, respektvoll und kindgerecht. Wenn diese Person aber dann aus einer Einzelfallsituation auf das generelle Verhalten meines Kindes schließt, ihn in eine Schublade steckt und mir als Mutter eine schlechte Erziehung an den Kopf wirft, da ist (m)eine Grenze überschritten.

      1. Antworten

        Mara

        Also das jetzt als letzte Rückmeldung. Du möchtest Deine Sicht der Dinge behalten und wer das nicht tut, möchte in Deiner Wahrnehmung offenbar nur konforme und geschliffene Wesen, die zur Not Ritalin erhalten müssten. Das ist mir dann doch zu armselig. Ich habe nirgends geschrieben, dass ich dem Kind sagen würde, ich finde es gerade zum Brechen. Dort steht, dass ich ihm sage, was konkret mich gerade stört. Und das finde ich richtig und wichtig. Ich finde es reichlich unverschämt, in welche Ecke Du mich da stellst. Es ist zutiefst unehrlich, wenn man sein Kind nicht auch mal hassen kann. Das gehört zur Liebe dazu. Und es ist so verdammt wichtig, diese Vielfalt zu spüren und beiderseits mit umgehen zu lernen. Ich kann jemanden nur dann wirklich lieben, wenn ich seine doofen/nervigen/grusligen/ekligen Anteile nicht verleugnen muss, weil ich mich dann auch mal abgestoßen fühle.
        Dieses Land leidet nicht an Kindern, die gebrochen sind, weil ihnen die Würde genommen wurde (auch wenn jedes davon eines zu viel ist), momentan krankt sie vor allen an Egozentrikern, die von ihren Eltern überhöht wurden und nicht gelernt haben, andere entsprechend wahrzunehmen. Frag doch mal deine Freundin, vielleicht hat sie damit schlimme Erfahrung gemacht.
        Alle, die Deine Sicht der Dinge nicht teilen, kannst Du nicht in den Topf werfen, der mit Gleichschritt und Würdelosigkeit gewürzt wird und damit dein Klischee stimmt, noch ne Prise Ritalin dazu. Das ist so armselig und straft zusätzlich die Kinder, die das Medikament brauchen, weil ihr Stoffwechsel im Gehirn gestört ist.

        1. Antworten

          Kleinschmeckerin

          Liebe Mara, schade dass du plötzlich so aggressiv und beleidigend wirst. Ich nehme das, was du schreibst ernst und antworte darauf: „Ich darf ihn auch zum Brechen finden. Und ich darf das auch sagen.“ Wenn du das nicht so meintest, ok. Ich stelle dich in garkeine Ecke. Ich kenne dich garnicht.

          In einigen Punkten sind wir in unserer Meinung garnicht soo weit auseinander. Aber das scheinst du irgendwie überlesen zu wollen. Grenzen sind wichtig beziehungsweise es gibt sie einfach. Und natürlich muss ein Kind damit umgehen lernen. Ich überhöhe meinen Sohn keineswegs. Und ich habe Verständnis dafür, dass er anderen auf die Nerven gehen kann (auch das habe ich in Kommentaren bereits erwähnt).

          Du lässt dich auf meine Sicht der Dinge ebenso wenig ein und man muss hier auch niemanden überzeugen. Diesen Anspruch habe ich hier weder an mich, noch an dich oder eine andere Person, die hier kommentiert. Eine Diskussion lebt doch davon, dass man anderer Meinung ist. Aber bitte auch hier im respektvollen Ton.

          Zum Ritalin: Hier sehe und kenne ich das Problem, dass die Diagnose ADHS viel zu häufig und verfrüht gestellt wird und Kinder, die einfach etwas lauter, wilder oder hibbeliger sind, werden medikamentös behandelt. Damit strafe ich keine Kinder, die das Medikament brauchen, sondern stelle nur die Anzahl der Diagnosen infrage.

          Es ist zutiefst unehrlich, wenn man sein Kind nicht auch mal hassen kann.
          Nein, ist es nicht. Ich werde mein Kind niemals hassen. Nicht eine Millisekunde meines Lebens.

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