Stillen und Beikost – Teil 1

08/02/2017

Der Übergang vom Stillen zur Beikost ist immer ein großes Thema und viele meiner Leserinnen haben mich darum gebeten, mal einen Artikel darüber zu schreiben, wie das damals bei Johannes abgelaufen ist. Diesem Wunsch möchte ich sehr gern nachkommen, allerdings mit dem Vorwort, dass dies wirklich nur unsere ganz individuellen und persönlichen Erfahrungen sind, die nicht eins zu eins auf jede andere Familie übertragbar sind. Denn jedes Kind entwickelt sich unterschiedlich schnell und hat andere Vorlieben und Interessen. Johannes war tatsächlich von Beginn an ein leidenschaftlicher Esser, sodass die Beikosteinführung relativ problemlos vonstatten ging. Aber der Reihe nach.

Die Stillzeit

Ich habe Johannes acht Monate gestillt. Eine Dauer, die in meinem Umfeld als eher kurz empfunden wird, da das „Langzeitstillen“ wieder stark im Kommen zu sein scheint. Das begrüße ich total, denn es gibt einfach kein anderes Nahrungsmittel, das auf die individuellen Bedürfnisse des eigenen Kindes so perfekt abgestimmt ist wie Muttermilch. Es ist und bleibt für mich ein kleines Wunder und ich finde es toll, wenn Mütter ihre Kinder lange stillen, sofern beide sich damit wohlfühlen. Und das ist beim Stillen für mich der einzig entscheidende Faktor: Kind UND Mutter müssen mit ihrer Stillbeziehung im Reinen sein. Und es ist eine ganz intime und persönliche Entscheidung, wie lange eine Mutter stillen möchte. Da hat sich kein anderer einzumischen. Das schon mal vorneweg.

Die Anfangszeit des Stillens lief bei uns problemlos. Johannes war ein kräftiger Sauger und er hing gefühlt den ganzen Tag an meiner Brust. Die ersten Wochen kam ich damit gut zurecht, aber ich bin schon eher die Sorte Mutter, die sich hin und wieder eine kleine Pause gönnt (und sie auch einfach braucht). So habe ich recht schnell den Nuckel eingeführt, den Johannes bis heute noch innig liebt und braucht. Von meiner jetzigen Perspektive würde ich das als einen Fehler betrachten, da es sich als ein wahnsinniger Kampf herausgestellt hat, ihm dieses Plastikteil wieder abzugewöhnen. Vielleicht üben wir momentan zu viel Druck auf Johannes aus… aber das ist ein anderes Thema: Zu dem damaligen Zeitpunkt war er ein Segen für mich, da ich wenigstens kurze Momente am Tag hatte, an dem mir kein Baby im Ausschnitt klebte. Auch hier gibt es viele unterschiedliche Meinungen und mein Credo ist stets: Leben und leben lassen!

Der erste große Abschied

Nach acht Monaten beendete ich das Stillen aus unterschiedlichen Gründen. Zum einen fühlte ich mich schlichtweg nicht mehr wohl damit. Ich wollte meinen Körper endlich wieder nur für mich allein haben. Meiner Meinung nach ist das ein absolut legitimes Bedürfnis, das jeder Mutter zusteht. Darüber hinaus bekam ich zu dieser Zeit eine schwere Magen-Darm-Grippe, durch die ich innerhalb einer Woche fünf Kilo abnahm (und ich war schon vorher sehr schlank) und das Stillen mir zusätzlich meine letzten Energiereserven raubte. Ich war wahnsinnig geschwächt, sodass selbst mein Hausarzt mir dazu riet, abzustillen. Der Zeitpunkt war erreicht.
Ich fing an, Johannes behutsam ans Fläschchen zu gewöhnen, welches er bis dato vielleicht ein oder zweimal in seinem Leben erhalten hatte. Glücklicherweise nahm er die Umstellung unerwartet locker und nuckelte genügsam drauf los. Er aß zu dieser Zeit schon sehr gut und bekam daher lediglich abends ein Fläschchen vor dem Zubettgehen und ein Fläschchen vor dem Mittagsschlaf. Alle anderen Mahlzeiten konnte ich bereits durch Beikost ersetzen. Ich musste einige Milchpulver durchprobieren, bis ich eins fand, das Johannes geschmacklich zusagte. Lustigerweise war es ein sehr günstiges Produkt. Die teuren Sorten verschmähte er komplett. Ich hielt mich bei der Dosierung nicht an die empfohlene Menge, da mir die Milch einfach viel zu dick vorkam und verwendete nur etwa die Hälfte des Pulvers auf die angegebene Menge Wasser. Johannes gedieh damit weiterhin prächtig. Er brauchte die Milch circa zwei Monate, anschließend bekam er ausschließlich Wasser sowie hin und wieder Kuh- oder Mandelmilch. Seinen Kalziumbedarf deckte ich durch die Nahrung mit Joghurt, Gemüse und Käse.

Es dauert nur eine Woche, schon hatte Johannes das Stillen völlig vergessen. Ich hatte tatsächlich sehr viel mehr mit der Umstellung zu kämpfen. Meine Brüste platzten fast vor lauter Milch und mir gelang es nur durch viel Ausstreichen und Massieren, einen Milchstau zu vermeiden. Hinzu kam, dass ich mich nach dieser intimen Nähe zurücksehnte, die Mutter und Kind nur durchs Stillen erreichen. Wir kuschelten dafür umso mehr, aber es war im Nachhinein betrachtet schon der erste große Abschied – das erste schwere Loslassen – das mir mehr zu schaffen machte, als ich es vermutet hatte. Trotzdem war es die absolut richtige Entscheidung, denn ich musste dringend zu Kräften kommen und ich genoss es auch, nicht mehr so stark an Johannes‘ Hungerzeiten gebunden zu sein. Dass dieser kleine Mensch so wunderbar mit der Umstellung zurechtkam – obwohl er ein echter Brustjunkie war – bestärkt mich noch mehr darin, dass wir damals für uns alles richtig gemacht haben.

Morgen kommt Teil 2 dieses Beitrags, in dem ich mehr über meine Einstellung zum Thema „Babybrei und/oder Baby Led Weaning“ verraten werde. Ich freue mich jetzt schon über euer Feedback. Schreibt mir hier in die Kommentarleiste oder über Facebook und Instagram!

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen