Vegane Ernährung für Kinder und in der Schwangerschaft (?)

Vegane Ernährung – eine Frage der Moral

Das unendliche Leid, das wir unseren Tieren in der industriellen Massentierhaltung zumuten, hat mich vor vielen Jahren zum Umdenken gebracht. Ich konnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, diese Zustände durch mein Ernährungsverhalten länger mitzuverantworten. So wurde ich zur Vegetarierin, aß nur noch hin und wieder Fisch aus kontrolliert nachhaltigem Fischfang. Aber auch das wurde nach und nach weniger und je mehr ich mich mit dem Thema auseinandersetzte und über die Haltung und Verarbeitung von tierischen Produkten informierte, umso weniger wollte ich diese konsumieren.

Vegane Ernährung in der Schwangerschaft

Lieber Vorbilder als Verbote etablieren

Als Johannes auf die Welt kam, stellte sich schnell die Frage, inwieweit er meinen Lebensstil mittragen sollte oder würde. An erster Stelle stand für mich, dass er eine gesunde und bewusste Beziehung zum Essen entwickelt. Verbote oder Regeln wollte ich nicht einführen, sondern ihm einfach ein gutes Vorbild sein. Doch natürlich bin ich nicht der einzige Mensch, der ihn und seine Weltsicht prägt – so gibt es noch seinen Papa, seine Großmütter sowie Freunde und Bekannte, die allesamt Fleisch essen – wenn auch die meisten mit Bedacht und in geringen Mengen.

Ich werde Johannes nie davon abhalten, Fleisch oder Fisch zu essen. Damit würde ich ihn lediglich bevormunden, ohne nachhaltig etwas zu bewirken. Gedankenloser Gehorsam ist nicht das, was ich in der Beziehung zu meinem Kind anstrebe. Vielmehr möchte ich ihn für Konsum jeglicher Art sensibilisieren und ihn dazu einladen, gegebene Zustände zu hinterfragen. Dafür habe ich vor kurzem das Buch „Schweinchen Hugo reißt aus“ bestellt (keine Werbung!). In dieser Geschichte wird von einem kleinen Schweinchen erzählt, das mit vielen anderen Tieren in einem engen Stall lebt und unbedingt frei sein möchte. Es geht nicht zu sehr in die Tiefe, aber dennoch erfährt man, dass die Menschen Schweine einsperren, um sie irgendwann aufzufressen. Ich habe das Buch mit Johannes schon mehrfach gelesen und ich merke, wie es danach jedesmal in ihm arbeitet. Man sollte aber von Kind zu Kind ganz individuell entscheiden, wann sie für solche Geschichten bereit sind und sie unbedingt ohne erhobenen Zeigefinger vortragen.

Vegan ernähren in der Schwangerschaft

Also rein aus moralischen Beweggründen stehe ich voll und ganz hinter dem Konzept der veganen Ernährung. Auch wenn es mir selbst teils schwer gefallen ist, diesen Weg konstant zu gehen. Sobald es sich für mich nach Verzicht angefühlt hat, habe ich es sein gelassen, denn eine stressbelastete Ernährung, ist schlichtweg ungesund.

Der Blick auf die Gesundheit ist es auch, der mich davon abhält, auf tierische Erzeugnisse in der Schwangerschaft zu verzichten. In meiner Ausbildung zur Ernährungsberaterin habe ich viel über das „System Mensch“ gelernt und darüber, welche Nährstoffe wir wie und wodurch am besten verwerten können.

Eine vegane Ernährung ist nur gesund, sofern wir wissen, wie wir unseren täglichen Bedarf an Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen durch pflanzliche Lebensmittel abdecken und diese dann auch in ausreichendem Maße zu uns nehmen.  Eine Ernährungsumstellung ist daher immer auch mit einer gewissen Disziplin und einem zeitlichem Aufwand verbunden. Gerade für Kinder, deren Essverhalten man nicht eins zu eins so kontrollieren kann und möchte, ist eine vegane Ernährung sehr kritisch zu beurteilen, da es schnell zu einem Nährstoffmangel kommen kann.

In der Schwangerschaft ist zudem der Bedarf an Nährstoffen erhöht – insbesondere an Proteinen, Folsäure, ungesättigten Fettsäuren sowie Vitamin B6 und B12. Die meisten davon kann man durch eine ausreichende Zufuhr an pflanzlichen Lebensmitteln und bestimmten Ölen gut kompensieren. Wenn Du Dich vegetarisch oder vegan ernährst und schwanger bist, möchte ich Dir hier kurz auflisten, worauf Du besonders achten solltest.

Proteine 

Ab dem vierten Monat solltest Du circa 20% mehr Proteine zu Dir nehmen. Diese sind für das Zellwachstum des Babies besonders wichtig. Hochwertige Proteine findest Du vorallem in Vollkornprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten (Linsen, Kicherererbsen, Bohnen).

Eine wahre Protein-Bombe – Meine rote Linsen-Mango-Suppe

Folsäure

Du wirst vermutlich schon von dem „offenen Rücken“ bei Babies gehört haben und Dein Arzt hat Dir sicherlich ab der Feststellung Deiner Schwangerschaft Folsäure-Tabletten verschrieben. Eine ausreichende Versorgung mit Folsäure ist sehr wichtig für die Entwicklung des zentralen Nervensystems, weshalb Ärzte hier kein Risiko eingehen möchten. Trotz der Tabletten solltest Du unbedingt auf eine ausreichende Folsäurezufuhr durch die Ernährung achten. Folsäure findet sich vorallem in grünem Blattgemüse, Avocados und Hülsenfrüchten.

Auch Rote Bete ist ein idealer Lieferant für Folsäure. Hier findest Du ein leckeres Rezept!

Omega 3-und Omega 6-Fettsäuren

Die langkettigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren namens Arachidonsäure und Docosahexaensäure spielen insbesondere bei der Entwicklung des Gehirns und der Augen des Fetus eine wichtige Rolle. Daher wird Schwangeren empfohlen, mindestens einmal die Woche Fisch zu essen, um die optimale Versorgung zu erreichen. Ich kompensiere das durch pflanzliche Öle. Diese enthalten sehr viele Omega-6-Fettsäuren. Für meine Omega-3-Zufuhr nehme ich täglich ein wenig Leinöl und verrühre es in Quark oder Joghurt.

In meiner asiatischen Schwarzwurzelsuppe findest Du das wertvolle Leinöl.

Vitamin B6

Vitamin B6 ist unter anderem für den Aminosäurenstoffwechsel zuständig. Durch den erhöhten Proteinbedarf erhöht sich dadurch auch automatisch der Bedarf an Vitamin B6 in der Schwangerschaft. Vitamin B6 findest Du in Bananen, Avocados und Walnüssen.

Leckeres Bananenbrot mit Walnüssen für den Vitamin B6-Boost.

Vitamin B 12 – der Knackpunkt in der veganen Ernährung

Vitamin B 12 wird auch Cobalamin genannt und kann nur von Mikroorganismen (wie z.B. Bakterien) gebildet werden, die sich in Lebewesen (sprich Tieren und Menschen) ansiedeln. Eine Aufnahme von Vitamin B12 ist dadurch ausschließlich über den Verzehr von tierischen Lebensmitteln möglich. Besonders viel Vitamin B12 befindet sich in Eiern, Käse und bestimmten Fleischsorten. Es gibt auch pflanzliche Lebensmittel (z.B. Algen), die ähnliche chemische Verbindungen aufweisen – sogenannte Analoga. Diese können aber vom Menschen nicht optimal verwertet werden. Um als Veganer gesund zu bleiben, kommt man daher um eine Substitution – also um eine Nahrungsergänzung – nicht herum.

Dieser Fakt macht es mir schwer, eine vegane Ernährung als DEN richtigen Weg anzunehmen. Ich möchte mich und meine Familie in erster Linie mit von der Natur gegebenen Lebensmitteln ernähren. Eine Nahrungsergänzung in Pillenform widerspricht dieser Auffassung komplett.

Warum ist Vitamin B12 so wichtig?

Vitamin B12 spielt eine entscheidende Rolle bei der DNA-Synthese und der Zellteilung. Ein Mangel in der Schwangerschaft kann dadurch zu einer Fehlgeburt oder schweren neurologischen Fehlbildungen führen. Der Körper kann Vitamin B12 speichern. Dieser Speicher kann bis zu fünf Jahre vorhalten. Viele Mütter, die sich vegan ernähren, machen daher oft die Erfahrung, dass eine erste und vielleicht sogar eine zweite Schwangerschaft „gut gegangen“ sind. Es kann aber durchaus sein, dass bei einer weiteren Schwangerschaft – je nach Abstand –  ihr Vitamin B12-Speicher leer ist oder der vorhandene Rest nicht mehr ausreicht, um sich selbst und das ungeborene Kind optimal zu versorgen. Ein Risiko, das ich niemals bereit wäre einzugehen.

Wenn man sich vegan ernähren möchte, sollte man also nicht nur den emotionalen Kontext betrachten, sondern sich ganz sachlich mit den Konsequenzen einer Mangelernährung auseinandersetzen, Insbesondere wenn es um die eigenen Kinder geht, die diese Entscheidung noch nicht selbst mittragen können.

Ich hoffe, dieser Beitrag hat Dir gefallen und vielleicht sogar dabei geholfen, den richtigen Weg für Dich und Deine Kinder zu finden.

(Fotos von Klaus Heymach und Chiara Doveri)

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