Babybump Update

Baby Bump Update (35. Woche): Diesmal alles anders!

Als ich erfuhr, dass ich wieder schwanger bin, war mein erster Gedankenimpuls: Diesmal machst du alles anders. Ich wollte diese Schwangerschaft viel bewusster erleben als meine Erste, mir selbst Gutes tun und die bevorstehenden Monate vollends in mich aufsaugen und genießen. Bei Johannes war ich damals eher hineingestolpert in diese Mama-Welt und hatte mir im Vorfeld weder groß Gedanken über einen schönen Schwangerschaftsverlauf noch über die Geburt geschweige denn über das Wochenbett oder die Zeit danach gemacht.

Nebenbei schwanger – wie ich ins Mamasein hineinstolpert

Ich hatte einen Vollzeitjob, der bis zum siebten Monat an oberster Stelle stand. Dann lief mein befristeter Arbeitsvertrag aus und ich langweilte mich bis zur Geburt fast zu Tode – anstatt diese Zeit intensiv zu nutzen, um mich auf die anstehende Lebensveränderung vorzubereiten. Diese Naivität fiel mir schnell auf die Füße.

Johannes’ Geburt verlief zwar unkompliziert und war laut meiner Hebamme eine echte Traumgeburt. Für mich selbst war es jedoch mehr Trauma als Traum, an dem ich lange Zeit zu knabbern hatte. Das Wochenbett ließ ich mehr oder minder ausfallen. Ich hatte keine Ahnung beziehungsweise glaubte ich einfach nicht daran, dass man wirklich um die acht Wochen benötigt, um wieder halbwegs zu Kräften zu kommen. Ich ging mit mir hart ins Gericht, als ich nach wenigen Tagen immer noch nicht so richtig in der Lage war, den schweren Kinderwagen die Flurtreppen hinaufzutragen und fragte mich selbst unter Tränen, was nur mit mir und meinem Körper los sei. Ich schlief so gut wie NIE, da Johannes die Nacht zum Tag machte und ich mir tagsüber selbst nicht die Ruhe erlaubte, die ich so dringend gebraucht hätte. Ich sah nur die schmutzige Wohnung, das eklige Lieferservice-Essen und mich selbst  – Madame Wasserleiche – im Spiegel. Zu allem Übel mussten wir sieben Wochen nach der Geburt aus beruflichen Gründen von Berlin nach Hamburg ziehen. Statt mich zu erholen und unser kleines Wunder zu genießen, begann ich also Kisten zu packen. Wenn ich daran zurückdenke, kann ich eigentlich nur den Kopf schütteln und würde mein 26-Jähriges verzweifeltes Ich von damals gern in den Arm nehmen. Denn das und nichts anderes hätte ich gebraucht. Liebe und Ruhe. Aber ich kann auch meinem Umfeld keine Vorwürfe machen. Die haben sich alle bemüht, mir zu vermitteln, dass ich mal einen Gang runterschalten sollte. Doch ich mimte lieber die Starke und machte weiter. Bis schließlich der Totalausfall kam.

Die Hebamme war meine Rettung

Nach wenigen Wochen in Hamburg wurde klar. Hier halte ich es nicht aus. David musste sofort wieder arbeiten und ich blieb mit meinem Babysohn allein zu Hause – ohne Familie, Freunde oder zumindest Bekannte in der Nähe. Noch nie in meinem Leben habe ich mich so einsam und hilflos gefühlt. Ich hätte einen geschützten Raum gebraucht, um in meiner neuen Verantwortung und Rolle als Mutter anzukommen und diese überwältigende Liebe zu verarbeiten. Ich entwickelte irrationale Ängste. Dachte, dass ich dieses Glück – dieses wunderschöne Kind – nicht verdient hätte und malte mir die schlimmsten Horrorszenarien aus, was alles mit ihm passiere könnte. Ich war tagsüber – allein mit Johannes, völlig erschöpft und gefangen in meinem Gedankenkarussell –  fest davon überzeugt, dass er mir wieder genommen wird. David kam meist erst am Abend nach Hause und fand jedesmal eine Frau vor, die nicht mehr wusste wer sie war oder wie sie in diese Lage geraten war.

David tat das einzig richtige und kontaktierte eine Hebamme, die sich sehr gut mit Babyblues und postnatalen Depressionen auskannte. (Welche Definition von beidem wohl auf meinen damaligen Gemütszustand zutrifft, kann ich nicht abschließend sagen. Es war auf jeden Fall eine emotionale Grenzerfahrung für alle Beteiligten). Diese Frau war meine Rettung! Ich kann garnicht in Worte fassen, wie dankbar ich bin, sie getroffen zu haben. Sie kam mehrmals die Woche und kümmerte sich liebevoll um mich und das Baby. Sie wickelte Johannes, räumte auch einfach mal die Küche auf, nahm die Post entgegen und vorallem hörte sie mir zu. Ich konnte mir meine Ängste von der Seele reden und fühlte mich nicht mehr allein gelassen mit dieser „Mammutaufgabe Mamasein“. Sie stärkte mich und betonte immer wieder, was für eine großartige Mutter ich sei, wie toll ich das alles meistern würde. Diese Frau war wie ein Engel, der zur richtigen Zeit in mein Leben kam.

Selbstfürsorge: Diesmal wird alles anders (?)

Es sind nur noch wenige Wochen, bis ich meinen zweiten Sohn zur Welt bringen werde. Und vor einigen Tagen ist mir bewusst geworden, dass ich schon wieder in dieser Spirale stecke. In der „Ich muss noch so viel erledigen und leisten, bevor das Baby kommt“- Spirale. Anstatt diesmal, wie geplant, alles anders zu machen, durchlebe ich dasselbe Muster erneut. Als wüsste ich es nicht besser. Als hätte ich es mir nicht anders vorgenommen.

Ich ignoriere körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen und Vorwehen. Ich baue keine Bindung zu meiner Beleghebamme auf, sondern schaue lieber während der Vorsorgen nervös auf die Uhr, weil es ja noch so viel „Wichtiges“ zu tun gibt. Ich habe schon wieder verplant, mich für einen Geburtsvorbereitungskurs anzumelden und Gedanken an die Zeit „danach“ schiebe ich vor mir her, als würde mich das erst im nächsten Leben betreffen.

Vor einigen Tagen dann, als ich ziemlich starke Schmerzen hatte und mich tagsüber nicht mehr so richtig um Johannes kümmern konnte, da sprang ich über meinen Schatten – und bat jemanden um Hilfe. Ich fragte meine Nachbarin, ob sie Johannes für ein paar Stunden zu sich nehmen könne. Sie war sofort zur Stelle und Johannes verbrachte den gesamten Tag bei ihr, aß auch dort zu Abend. Ihre Hilfe war so selbstverständlich, dass sie Johannes ein paar Tage später gleich wieder mit zu sich nach oben nahm.  „Du brauchst jetzt Ruhe und Zeit für dich“, sagte sie zu mir. Und plötzlich liefen mir die Tränen herunter. Mit diesem Satz hatte meine liebe Nachbarin mich daran erinnert, was ich mir nach dem positiven Schwangerschaftstest vorgenommen hatte. Wie konnte ich das alles vergessen? Wieso fiel es mir so schwer, einen Gang runterzuschalten und mich selbst ein wenig zu hegen und zu pflegen? Und ja, auch einfach mal nach Hilfe zu fragen? Dieses Erlebnis hat mir die Augen geöffnet und ich möchte jetzt zumindest die letzten Wochen dieser Schwangerschaft nutzen, um für MICH da zu sein. Ich möchte mich bewusst mit der bevorstehenden Geburt – meinen Ängsten und meinen Wünschen – auseinandersetzen.

Was möchte ich diesmal anders haben?
Wie kann die Geburt für mich zu einer positiven Erfahrung werden?
Was wünsche ich mir für die Zeit im Wochenbett?
Wie kann ich am besten regenerieren?
Wie können wir als Familie diesen neuen Menschen so schön wie nur möglich willkommen heißen?

Diese und andere wichtige Fragen stelle ich mir nun endlich. Und ich habe auch schon einige Antworten gesammelt, die ich Dir nun gern zeigen möchte.

Die Geburt – Was wünsche ich mir?

Zumindest war ich so klug, mir eine Beleghebamme zu suchen, der ich diese Liste bei unserem nächsten Termin aushändigen werde. Sie hat mich natürlich schon längst gefragt, wie ich mir meine Geburt vorstelle, aber so richtig viel, kam damals nicht von mir. Mein Kopf war noch nicht frei dafür. Das ist er jetzt aber. Viele der genannten Punkte resultieren daraus, dass ich sie bei Johannes’ Entbindung nicht so schön in Erinnerung habe. Das mache ich dem Hebammen- und Ärzteteam von damals aber überhaupt nicht zum Vorwurf. Ich selber war einfach nicht klar in dem, was ich will und habe es nicht kommuniziert.

Ich wünsche mir eine natürliche, interventionsfreie Geburt, das heißt keine PDA, kein Wehentropf, keine Wehenhemmer, keine anderweitigen medizinischen Eingriffe, sofern nicht explizit das Leben meines Kindes oder mein eigenes auf dem Spiel steht.

Ich wünsche mir, dass alle Schritte mit mir klar besprochen werden und ich immer gefragt werde, ob ich mit dem Verlauf einverstanden bin.

Ich wünsche mir eine Wassergeburt bzw. wenn dies nicht möglich ist, dann möchte ich mir meine Position für die Entbindung selber aussuchen.

Ich wünsche mir, dass die Nabelschnur auspulsieren darf, bevor sie durchtrennt wird.

Ich wünsche mir, sofern es mein Zustand zulässt, eine ambulante Geburt.

Ich wünsche mir, David an meiner Seite – sonst niemanden.

Ich habe mir auch ein Buch bestellt, das ich in den kommenden Wochen lesen möchte, um mich mental nochmal intensiver vorzubereiten. Es heißt Flowbirthing – Geboren aus einer Welle der Freude* In diesem Buch soll es um die Rückkehr zur weiblichen Urkraft gehen –  um die Selbstbestimmung und Selbstermächtigung von uns Frauen unter der Geburt. Ich bin sehr gespannt und werde berichten, ob es mir geholfen hat.

Auch David erhält eine Liste mit Wünschen von mir. Bislang habe ich für ihn folgende Punkt gesammelt:

Ich wünsche mir, dass du meine Geburtsvorstellungen kennst und sie vor unserer Hebamme und etwaigen anderen Personen im Krankenhaus klar kommunizierst und sie daran erinnerst, wenn ich nicht mehr in der Lage dazu sein sollte.

Ich wünsche mir, dass während der Geburt schöne, entspannte Musik gespielt wird (eine Playlist stelle ich noch zusammen).

Ich wünsche mir, dass die erste Begegnung zwischen Johannes und seinem Bruder nur in unserer Gegenwart stattfindet. Keine Großeltern oder sonst wer – diesen Moment möchte ich nur mit euch erleben.

Ich wünsche mir, dass niemand einfach so Fotos macht, ohne es mit mir abzusprechen.

Ich wünsche mir, dass du nur das Handy nutzt, um zu schauen, ob es Johannes gut geht.

Das Wochenbett

Ich wünsche mir frisch bezogene Betten

Ich wünsche mir einen vollen Kühlschrank und gutes Essen im Tiefkühler (dazu kommt noch ein extra Blogpost).

Ich wünsche mir, dass ich das Tempo für Besuch ganz allein bestimmen darf. (Wenn Besuch, dann wünsche ich mir Hilfe und Unterstützung)

Ich wünsche mir, dass wir uns alle Zeit der Welt nehmen, um uns gegenseitig kennenzulernen.

Das habe ich bislang für mich sammeln können. Vielleicht hast Du noch den ein oder anderen Tipp für mich, der Dir unter der Geburt oder danach geholfen hat. Oder vielleicht erkennst Du Dich in diesem Text wieder und möchtest Deine Gedanken dazu mit mir und meinen Leserinnen teilen? Ich freue mich über jedes Kommentar!

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2 Comments

  1. Nicole

    Liebe Vanessa, ich bin beeindruckt wie offen und ehrlich du hier über deine Gefühle berichtest und kann alles sehr gut nachempfinden. Auch ich bin fast an den absurden Ansprüchen, die ich an mich selber gestellt habe, zerbrochen und nur dank meiner tollen Familie habe ich es da raus geschafft. Ich drücke dir die Daumen, dass deine Wünsche für die nächste Geburt in Erfüllung gehen und ihr bald gesund und munter zu viert seid. Liebe Grüße, Nicole

    • Liebe Nicole, danke für deine Worte <3 Ich möchte damit offen umgehen, da Babyblues und postnatale Depressionen kein Tabuthema sein dürfen. Denn durch das Schweigen und Verdrängen wird es für die Betroffenen nur noch schlimmer und unerträglich. Ein Kind kriegen ist eben nicht immer nur mit Glück verbunden, sondern kann auch Verunsicherung und viele Tränen mit sich bringen. Wie jede andere große Veränderung im Leben, der man sich stellt oder für die man sich entscheidet. Das zu wissen, hätte mir damals schon geholfen. Nur leider erfuhr ich ähnliche Geschichten von anderen Frauen, erst nachdem ICH mich ihnen geöffnet hatte. Dabei sitzen wir Mütter alle im selben Boot und in keiner anderen Lebensphase ist Support unter Gleichgesinnten SO wichtig und heilend.

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