Jakob Willem - Unsere Geburtsgeschichte

Jakob Willem ist da! Unsere Geburtsgeschichte

Babykleidung waschen, Kliniktasche packen, Elterngeld und Kindergeld-Formulare ausfüllen, Federwiege aufbauen, Maxi Cosi aus dem Keller holen und entstauben, Still-BHs kaufen. Diese und noch viele andere Dinge standen noch auf meiner „To Do’s bis zur Geburt-Liste“ an diesem Abend des 8.Februar 2018. Als mir plötzlich ganz unverhofft beim Nudelkochen die Fruchtblase platzte.

So beginnt die Geschichte von Jakob Willem. Unserem neusten kleinen Wunder, das uns wieder einmal mehr gelehrt hat: Pläne machen in Zusammenhang mit Kinderkriegen ist völlige Zeitverschwendung.

Jakob Willem – Unsere Geburtsgeschichte

Der 08. Februar war für mich auch so etwas wie der erste Tag vom Baby-Countdown. Ab jetzt wollte ich mir Ruhe gönnen, mich bei meinen LeserInnen in den Mutterschutz verabschieden und noch diese ganzen schönen Dinge tun, die man mit einem Säugling eben nicht mehr so einfach tun kann. Deshalb hatte ich mich auch mit einer guten Freundin zum Frühstück verabredet. Mit unzähligen Leckereien stand sie vor meiner Tür und wir schlemmten und quatschten stundenlang. Es war so schön, dass ich beinahe vergaß, Johannes rechtzeitig aus der Kita abzuholen. Wir schlenderten am frühen Nachmittag noch gemeinsam Richtung Kindergarten und verabschiedeten uns dann mit dem Satz: „Bevor das Baby kommt, müssen wir noch ein Vierer-Date mit den Männern schaffen“.

Drei Stunden später lief mir das Wasser zwischen meinen Beinen auf die Küchenfliesen…

Ohne Johannes wäre ich durchgedreht.

Ich wählte zitternd die Nummer von meinem Mann. Zumindest dachte ich das. Am anderen Ende der Leitung meldete sich aber stattdessen meine Beleghebamme Sylvia. Ein Wink meines Unterbewusstseins, vermute ich. Die Hebamme als erstes zu verständigen, ist in so einer Situation ja schon recht sinnvoll. Sylvia sagte mir, ich solle nun auf regelmäßige Wehen warten und mich dann nochmal melden. Als wir auflegten, rief ich doch noch David an, damit er sich schnell auf den Heimweg machen konnte und dann…sah ich in die weit aufgerissenen Augen von Johannes, der sein Lego fallen gelassen hatte und zu mir in die Küche gerannt gekommen war. „Mama was ist denn los?“ Ich versuchte ein entspanntes Lächeln aufzulegen und antwortete das erste, was mir in den Sinn kam „meine Fruchtblase ist gerade geplatzt, mein Engel“. Da füllten sich die großen Augen meines Sohnes mit Wasser, denn durch unsere zahlreichen Gespräche, Bücher und Hörspiele, die wir ihm zu diesem Anlass besorgt hatten, wusste er schon ganz genau, was dieser Satz bedeutete. Schluchzend fragte er „kommt jetzt unser Baby, Mama?“. Ich beugte mich zu ihm herunter und nickte: „Ja mein Schatz, das Baby wird jetzt bald bei uns sein.“ Daraufhin lief Johannes weinend und völlig aufgelöst durch die Wohnung und wusste nicht so recht, was er mit dieser Nachricht anfangen sollte. Er ließ all seinen Gefühlen freien Lauf. Ich redete sanft auf ihn ein, um ihn zu beruhigen. Dabei wäre ich gern selbst komplett durchgedreht. Aber für ihn musste ich einen klaren Kopf behalten. Und indirekt half es mir dabei, auch innerlich die Ruhe zu bewahren,

Noch schnell die Babyschale aussaugen…

Als David zu Hause eintraf, spürte ich schon die ersten Wehen. Noch gut aushaltbar und unregelmäßig zwar, aber mir war klar, dass es bald richtig losgehen würde. David hatte bereits eine Übernachtungsmöglichkeit für Johannes organisiert. Eigentlich war der Plan, dass er während der Geburt von meiner Mutter betreut würde. Sie hatte sich extra um den berechneten Entbindungstermin Urlaub genommen. Blöd nur, dass dieser noch 22 Tage in der Zukunft lag. So musste beziehungsweise durfte Johannes bei seiner kleinen Nachbarsfreundin schlafen und er fand das so cool, dass er sofort seine sieben Sachen nahm und hinüberdüste. Es machte mir zu schaffen, dass wir uns nicht mehr richtig verabschiedet hatten, aber darüber konnte ich nicht viele Gedanken verlieren. Die Wehen wurden immer heftiger. David hetzte durch die Wohnung, vom einen Ende zum anderen. Schließlich musste noch die Kliniktasche gepackt werden. Als dies halbwegs erledigt war, fiel uns der Maxi Cosi im Keller wieder ein. Ich wünschte mir eine ambulante Geburt und wollte mit dem Baby sofort nach Hause. Die Babyschale war also dringend notwendig. David kramte sie aus dem Keller und schmiss den Staubsauger an, um sie vom gröbsten Schmutz zu befreien. In einem Moment des Innehaltens, schauten David und ich uns tief in die Augen  – und mussten lachen. Die ganze Szenerie war so absurd, so voller schlechter Clichés. Ich kam mir vor, wie die Hauptdarstellerin in einer dieser amerikanischen Romantik-Komödien. Es fehlte eigentlich nur noch, dass das Baby mir aus Versehen auf den Wohnzimmerteppich fiel. Gottseidank ist die Realität meistens doch etwas unspektakulärer…

„Du bist stark. Du schaffst das.“

Um 22 Uhr fuhren wir ins Krankenhaus. Meine Hebamme Sylvia wartete schon vor dem Kreißsaal und nahm uns mit einem breiten Lächeln in Empfang. Sie strahlte eine wohltuende Ruhe und Sicherheit aus und zum ersten Mal seit Stunden, konnte ich etwas entspannen. Ich war nun in guten Händen. Die Wehen nahmen weiter zu, doch mein Muttermund stand erst bei 2 cm. Ich war etwas enttäuscht, aber durch Johannes‘ Geburt wusste ich, dass die Eröffnungsphase bei mir anders verlaufen kann, als üblich.

Sylvia ließ auf meinen Wunsch die Geburtswanne ein, denn ich wollte unbedingt im Wasser entbinden. Die Wehen wurden unendlich schmerzhaft und ich kam langsam aber sicher an diese magische Grenze – die Grenze, an der der Schmerz nicht mehr auszuhalten ist und man glaubt, es nicht zu schaffen. Ich hatte mich vorher auf diesen Moment vorbereitet. Ich wusste, dass die Pressphase nun nicht mehr weit sein kann. Ich sah mein verschwitztes Gesicht in der Armatur. der Badewanne und redete mir innerlich gut zu: „Du bist stark. Du schaffst das.“ Zwischen den Wehen summte ich wie in einer Art Trance vor mich hin und dachte viel an Johannes. An meinen wunderschönen Sohn, für den ich diese Schmerzen bereits auf mich genommen hatte – und wie reich ich dafür beschenkt worden war. Ich dachte an Jakob, mein Baby, dem ich nun mit all meiner Kraft auf die Welt helfen sollte. Ich war ganz bei mir, spürte in mich hinein und wusste, dass wir uns dem Ziel näherten. Meine Hebamme schaute noch einmal nach dem Muttermund und bestätigte mein Gefühl. „Wow, Vanessa. 8 Zentimeter in eineinhalb Stunden! Das dauert sicher nicht mehr lang.“

Und plötzlich war er da…

20 Minuten später begannen die Presswehen. Ich schrie den Schmerz heraus und sah dabei immer noch mein Spiegelbild in der Armatur. Es klingt etwas merkwürdig, aber ich empfand mich in diesem Moment als wunder-wunderschön. Ich fühlte mich so stark wie noch nie. Sylvia gab mir den Rat, die Energie des Schreiens lieber nach unten zu leiten, anstatt es rauszubrüllen. Und so abstrakt diese Aussage auch klingen mag, ich wusste in dem Moment genau was sie meint. Ich presste sanft und kontrolliert mit, die Schmerzen waren in diesem Moment komplette Nebensache. Ich vergaß alles um mich herum und gab mich einfach diesem Augenblick hin. Dann hörte ich Sylvias Stimme:“ Greif nach deinem Baby, Vanessa!“ Instinktiv nahm ich die Hände zwischen die Beine und hob meinen Sohn eigenständig aus dem Wasser. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich – göttlich. Ich legte ihn mir auf die Brust und er begann zu schreien. Und seine Stimme war so zart und verletzlich, wie alles an ihm. David beugte sich über uns mit Tränen in den Augen und küsste mich voller Stolz. Es war der perfekte Beginn eines neuen Lebens.

Jakob Willem - Unsere Geburtsgeschichte

Jakob Willem erblickte am 9.Februar um 0.20 Uhr das Licht der Welt mit zierlichen 2790 Gramm und 49 Zentimetern.

Ich bin Sylvia unendlich dankbar für ihr großes Einfühlungsvermögen und ihre Sensibilität. Sie hielt sich die meiste Zeit ruhig im Hintergrund und gab mir nur durch ihre Präsenz das Gefühl von Sicherheit. Sie wusste genau, wann ihre Unterstützung gebraucht war und wann sie mich einfach meinem „Flow“ überlassen konnte. So konnte ich auf die natürlichste Weise im Wasser und völlig selbstbestimmt mein Baby entbinden. Diese Geburt war für mich ein tief ergreifendes und wunderschönes Erlebnis, das mich gerade wie auf Watte durch das Wochenbett trägt. Ich war noch nie so stolz darauf, eine Frau zu sein, wie in diesen Tagen.

Wenn Du wissen möchtest, wie Johannes‘ Geburt damals abgelaufen ist, folge diesem Link!

One Comment

  1. Deine Mutter

    …Es war genau wie bei dir….Auch du kamst 3 Wochen vor Geburtstermin…warst genauso groß und hast fast identisches Gewicht gehabt. Und deine Geburt verlief genauso schnell und ich hab auch ganz laut geschrien. ..ist das nicht sonderbar wunderbar?!

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