Nachhaltigkeit Serie

Serie Nachhaltigkeit: Raus aus der Komfortzone!

Es ist dieses eine Wort, das mir mittlerweile richtig auf die Nerven geht: Komfortzone. Überall in meiner Filterblase lese ich davon, dass ich meine Komfortzone verlassen soll. Ich soll meinen Job wechseln, weil er so anstrengend und langweilig zugleich ist. Ich soll mehr Sport treiben, um mit meiner Komfortzone auch gleich meine Problemzonen loszuwerden. Und wenn ich dann schlank und arbeitslos bin, soll ich meinen Rucksack packen und auf eine mehrmonatige Weltreise gehen, um meiner Komfortzone auch räumlich Adieu zu sagen und erst in heimische Gefilde zurückkehren, wenn ich mein ICH gefunden habe (warum auch immer das auf Bali oder Guadeloupe gestrandet sein soll).

Versteh mich nicht falsch. Ich rege mich nicht darüber auf, weil ich Veränderungen oder Anstrengungen meiden möchte. Nein, ich rege mich auf, weil wir über die falschen Komfortzonen nachdenken. Vergesst eure Selbstfindung und eure Selbstoptimierung und verlasst stattdessen endlich die einzige wahre Komfortzone, die uns alle bedroht. Die Komfortzone, mit der wir unseren Planeten ruiniert haben und die das Gros der Menschheit nicht mal ansatzweise bereit ist, zu verlassen. Dieser Komfortzone kann man viele Namen geben. Am ehesten lässt sie sich vermutlich runterbrechen auf den Begriff: Konsum. Es führt kein Weg daran vorbei, dass wir alle endlich ÜBER unsere Schmerzgrenze hinweg damit beginnen, nachhaltiger und vor allem WENIGER zu konsumieren. Es reicht leider nicht, einmal in der Woche im Biomarkt einkaufen zu gehen oder Müll zu trennen, um unser Gewissen zu beruhigen. Es geht hierbei schon lange nicht mehr um uns und unsere Gefühlswelt, die wir in Balance halten wollen. Es geht ums nackte Überleben. Für uns, unsere Kinder und Enkelkinder und alle anderen Lebewesen, die sich diesen Planeten mit uns teilen.

Wie ein kleines Mädchen namens Greta Thunberg, die derzeit jeden Freitag die Schule streikt, um gegen den Klimawandel zu demonstrieren, richtig gesagt hat: „I want you to PANIC!“
Es ist an der Zeit, dass wir aufwachen und unsere Ärsche hochkriegen. Denn der Klimawandel ist kein abstraktes Zukunfts-Horrorszenario mehr. Er ist DA. JETZT. Und uns bleibt nur noch ein Fünkchen an Restzeit, um die schlimmsten Folgen abzumildern.

Ich werde mir ersparen, hier nochmal detailliert aufzulisten, was auf uns zukommt beziehungsweise, was Menschen in entfernteren (ärmeren) Regionen schon derzeit erleben müssen. Nur so viel: Es geht um verheerende und zerstörerische Wetterextreme, das Aussterben unzähliger Tier- und Insektenarten, Waldbrände und Überschwemmungen, Hungersnöte, Wasserknappheit. Es geht darum, dass Millionen von Menschen (schon JETZT) auf der Flucht sind, weil ihre Heimat nicht mehr bewohnbar ist oder es einfach kein Wasser mehr gibt. Schon heute gibt es doppelt so viele Klimaflüchtlinge wie Kriegsflüchtlinge. Die Leidtragenden sind derzeit noch Menschen aus den ärmsten Gebieten der Welt. Und wenn das nicht schon ungerecht genug wäre, dann lass dir nochmal klar werden, WER an dem Zustand unseres Planeten und den schrecklichen Folgen Schuld ist. DU. ICH. WIR. Die Wohlstandskinder, die alles haben wollen und davon so gut wie nichts brauchen.

Ich kann doch nicht die ganze Welt retten

Fühlst Du Dich wie gelähmt nach solchen Ansprachen? Oder wirst Du wütend auf diesen Artikel, weil Du Dich nun schlecht fühlst? Gehst Du innerlich in eine Abwehrposition und denkst Dir „man kann ja nicht die ganze Welt retten. Ich hab meine eigenen Probleme“?
Versteh ich. Ich kenne diese Gefühle und diese Haltung. Ich habe sie selbst jahrelang mit mir herumgetragen, obwohl ich tief in mir wusste, dass es falsch ist. Dass ich nicht konsequent nach meinen eigenen Werten handele. Denn es ist nicht leicht, diese einzig wahre Komfortzone zu verlassen und sich von Bequemlichkeiten wie neuen günstigen Klamotten oder regelmäßigen Flugreisen zu verabschieden. Zumal unsere Gesellschaft darauf beruht, uns Beifall zu klatschen, je mehr wir konsumieren. Die meisten Herzen auf Instagram kriegen wir für unsere OOTDs (Outfit of the Day-s) und unsere Strandschaukel-Bilder an der Küste Thailands. Dabei wäre es längst Zeit für neue Status-Symbole, wie zum Beispiel Bescheidenheit oder Nächstenliebe.

Vielleicht denkst Du Dir auch, dass ein einzelner Mensch eh keinen Einfluss hat und solange die großen Konzerne ihr umweltzerstörendes Unwesen treiben, sind die Schritte von uns kleinen Lichtern vergebene Mühe. Aber so ist es nicht! Jeder Mensch, jede Handlung, die in die richtige Richtung geht, macht einen Unterschied. Es führt kein Weg daran vorbei, als dass wir ALLE bescheidener und demütiger werden. Dass wir verstehen, dass unser tagtägliches Handeln einen Impact auf die Natur hat und der Coffee to Go einfach kein Alltagsstress geschuldeter Ausrutscher mehr ist, sondern ein Verbrechen an unserem Heimatplaneten. Wir sind alle informiert. Wir WISSEN, was hier abgeht und wenn wir trotzdem nichts tun, dann sind wir nicht mehr zu retten.

Warum habt ihr nichts getan?

Als meine Großmutter noch lebte, habe ich sie gefragt, warum sie nichts getan hat, als nebenan Juden abtransportiert wurden. Sie konnte es doch nicht NICHT gewusst haben, dass dort ein barbarisches Verbrechen vor sich geht. Heute stelle ich mir oft vor, wie meine Kinder oder Enkelkinder in einigen Jahrzehnten vor mir sitzen und mich fragen „wieso habt ihr nichts unternommen, als die Tiere vor euren Augen ausgestorben sind und als Menschen in Afrika verdurstet sind?“  Der Vergleich hinkt im ersten Moment, aber nur zugunsten meiner geliebten Oma. Denn sie musste den Tod fürchten, wäre sie damals zur Nazizeit aufgestanden und hätte sich den Menschenfeinden entgegengestellt. WIR müssen nichts fürchten. Wir müssen einfach nur Schluss machen. Schluss mit sinnlosem Konsum, Schluss mit der Tier- und Menschensklaverei, Schluss mit der Lebensmittelverschwendung, Schluss mit dem „übers Wochenende nach Lissabon für 9 Euro“, Schluss mit dem neuen Smartphone alle zwei Jahre, Schluss mit den durchgestylten Wohnungen und begehbaren Kleiderschränken. Wir brauchen das alle NICHT. Es macht uns nicht glücklich. Es zerstört uns.

Nachhaltigkeit-Serie

Ich spreche nicht nur mit Dir in diesem Artikel. Ich schreibe auch für mich selbst. Denn auch ich habe meine Schmerzgrenze noch nicht überschritten. Aber ich bin endlich aufgewacht und arbeite Tag für Tag daran, meinen negativen Einfluss auf die Natur zu minimieren. Mir selbst und meinen Kindern zu Liebe. Nach mir die Sintflut funktioniert nicht mehr. Denn in dieser Sintflut drohen zwei Menschen zu ertrinken, die wichtiger und größer sind als ich selbst.

Ich möchte in Zukunft meinen Blog und Reichweite nutzen, um zu sensibilisieren und Anregungen zu geben, wie es möglich ist, nachhaltig zu leben. Ich werde über meine eigene Reise zu einem konsumreduzierten Leben berichten und freue mich darauf, wenn Du mich dabei begleitest und Dich inspirieren lässt. Trau Dich, Deine Komfortzone zu verlassen.

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