Nachhaltig reisen

Serie Nachhaltigkeit – 10 Tipps, wie Du achtsamer reisen kannst

Wir alle haben durch unser Konsumverhalten einen erheblichen Einfluss auf den Verlauf des Klimawandels. Das kann einem Angst machen. Es kann uns aber auch beflügeln und die Kraft geben, endlich die nötige Verantwortung zu übernehmen, um unseren Planeten und damit uns selbst zu retten. Ich möchte Dir auf meinem Blog Ideen geben, wie Du Dein Leben nachhaltiger gestalten kannst und Dir zeigen, dass sich ein konsumreduziertes Leben lohnt. Nicht nur für die Umwelt, sondern auch für Deinen inneren Seelenfrieden. Ich möchte Dich dazu anregen Dir immer und immer wieder die Frage zu stellen: Brauche ich das wirklich?

Teil 2 – Nachhaltig reisen

Ein großer Aspekt meines Lebens und Teil meiner Persönlichkeit ist die Liebe zum Reisen. Schon immer hat es mich in fremde Länder gezogen. Ich dürstete danach andere Kulturen kennenzulernen und weit weg von zu Hause wilde Abenteuer zu erleben. Mein größter Traum ist es, mit meiner Familie einmal um den Globus zu reisen – für ein Jahr oder länger. Doch dieser Traum und auch unsere bisherigen Reisegewohnheiten stehen im Konflikt mit dem Ziel, unseren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Denn auf Reisen hinterlässt man Spuren. Und die sind leider nicht selten zerstörerischer Natur.

Wie sehr schadet Reisen unserer Umwelt?

Ich folge vielen sogenannten Eco-Bloggern, Minimalismus-Experten und Zero Waste-Gurus auf Instagram. Sie inspirieren mich und ich hole mir Tipps und Anregungen von ihnen. Was mir aber immer wieder auffällt, ist, dass die meisten ihren Konsumbegriff auf materielle Dinge wie Kleidung, Möbel usw. beschränken. Sie besitzen vielleicht kein Auto, tragen ausschließlich Fair Fashion oder Second Hand und ernähren sich meist vegan. Doch, wenn es ums Reisen geht, sind die meisten von ihnen nicht bereit, sich einzuschränken. Das soll überhaupt kein Vorwurf sein, denn diese Menschen tun weit mehr für unseren Planeten als die meisten von uns. Trotzdem finde ich es interessant zu sehen, dass gerade die Reiselust ein wunder Punkt ist. Hier möchten die wenigsten ihre Komfortzone verlassen. Reisen ist für viele ein Hebel zur Persönlichkeitsentfaltung. Man erweitert den eigenen Horizont, lernt viel über sich und die Welt. Das sind Dinge, die auch  – und vielleicht sogar insbesondere –  Menschen nicht aufgeben möchten, die sich an anderer Stelle bereits intensiv mit den Problemen der Welt und ihrem eigenen Impact beschäftigen. Und ich verstehe das. Mir geht es genauso. Es fällt mir wahnsinnig schwer, auf Reisen zu verzichten oder mich zumindest einzuschränken.

Doch auch hier habe ich mir die Frage gestellt: Brauche ich das wirklich? Wiegt mein persönliches Interesse an Erholung und Selbstverwirklichung durch Reisen schwerer als der ökologische Schaden, den ich dadurch anrichte? Denn dieser ist leider immens und nichts, was man weglächeln kann.

Fliegen

Allein schon die Anreise mit dem Flugzeug verursacht Unmengen an Treibhausgasemissionen, die die globale Erwärmung vorantreiben. Für einen Flug nach Mallorca könnte man hinsichtlich der CO2-Bilanz beispielsweise ein ganzes Jahr Auto fahren. Manche ExpertInnen gehen sogar von noch krasseren Werten aus, da die Emissionen in der Luft viel schädlicher zu bewerten sind, als welche, die vom Land ausgehen. Billigflieger, die mit 9 Euro-Tickets nach Lissabon werben, sind nicht nur aus ökologischen Gründen zu vermeiden, sondern sie handeln auch äußerst unethisch im Hinblick auf ihre MitarbeiterInnen. Die PilotInnen und das Servicepersonal werden untertariflich bezahlt, erhalten oftmals nicht mal eine Krankenversicherung und müssen ihren niedrigen Lohn an Bord durch Verkaufsprovisionen aufbessern. 

Kreuzfahrtschiffe

Ein anderes Verkehrsmittel, das im Gegensatz zum Flugzeug viel zu selten in den Blick genommen wird, ist das Kreuzfahrtschiff. Dabei verursacht ein Luxusliner pro Tag so viel krebserregende Ruß und Schwefel-Partikel wie 12000 PKWs. Eine verheerende Bilanz für die Umwelt, aber auch für die Menschen an Bord und nicht zuletzt auch für die Einheimischen, in deren Ländern die Meerkolosse anlegen. Die Kreuzfahrt-Touris gehen meist nur kurz an Land, kaufen ein paar Souvenirs, hinterlassen eventuell noch etwas Müll und verabschieden sich wieder. Die (nicht selten arme) Bevölkerung profitiert somit kein Stück von dem Tourismus-Boom, sondern darf nur hinterher aufräumen und die verpestete Luft einatmen, die hinterlassen wurde.

All Inclusive

Durch den unbegrenzten Zugang zu Speis und Trank in All Inclusive-Anlagen verlieren die Gäste schnell das Verhältnis zu dem, was sie wirklich verzehren können. Die Teller werden am Buffet vollgeladen und was man nicht schafft, landet in der Tonne. Eine entsetzliche Lebensmittelverschwendung.  

Skipisten

Auch Winterurlauber stellen eine Bedrohung für die Umwelt dar. Skigebiete befinden sich in Berglandschaften, in denen seltene und vom Aussterben bedrohte Tierarten zu Hause sind. Für die Pisten werden diese Gebiete gerodet und planiert. Die Liftanlagen und Schneekanonen haben zudem einen sehr hohen Energiebedarf.

Tierquälerei 

Touristen möchten natürlich etwas erleben, also bieten die Reiseanbieter vor Ort atemberaubende Ausflüge an: Man kann in Kanada Wale beobachten, in Thailand auf Elefanten reiten oder in Südafrika auf Safari gehen. Dass solche Erlebnisse oftmals Tierquälerei und Umweltverschmutzung mit sich bringen, wird gerne verdrängt. 

Müll, Müll, überall Müll

Kristallklares Wasser, Puderzuckersand, Strandschaukeln. So stellen wir uns den perfekten Traumurlaub vor. Doch die Realität sieht mittlerweile ganz anders aus. Als wir 2015 mit Johannes drei Wochen in Thailand unterwegs waren, waren wir entsetzt von den Unmengen an Müll, den insbesondere die Touristen am Strand hinterließen. Die wenigen Abfalleimer liefen bereits morgens über und wenn man nicht mehr wusste, wohin mit seinem Dreck, wurde dieser nicht selten einfach an Ort und Stelle liegen gelassen. Aus den Augen, aus dem Sinn. So mutieren die faszinierendsten Orte, die unser Planet zu bieten hat, zu riesigen Müllkippen. 

Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung

Konventionelles Reisen richtet nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche und kulturelle Schäden in den Zielländern an.  Menschen werden von der Tourismusbranche nicht selten zu Dumpinglöhnen beschäftigt und müssen unter unwürdigen Bedingungen arbeiten. So zum Beispiel im beliebten Urlaubsziel Dubai, wo Tausende von Gastarbeitern aus Pakistan und Indien auf den riesigen Baustellen wie Knechte behandelt werden. Sie werden systematisch ausgebeutet, kriegen manchmal sogar ihren mickrigen Lohn monatelang nicht ausgezahlt. Ein Auflehnen gegen die prekären Bedingungen wird hoch bestraft. Und obwohl dies alles ein offenes Geheimnis ist, verschließen viele UrlauberInnen ihre Augen davor und lassen sich lieber vom Prunk und Glamour der arabischen Emirate blenden.

Was tun? Kleiner Guide für nachhaltiges Reisen

Wir sind zwar keine Pauschaltouristen und wir achten bei unseren Reisen darauf, Land und Leute zu respektieren, unseren Müll wegzuräumen und so wenig Ressourcen wie möglich zu verbrauchen. Trotzdem können wir noch so viel mehr tun!! So haben wir uns zum Beispiel diesen Winter bewusst gegen eine Fernreise in die Sonne entschieden und sind stattdessen nach Österreich gefahren. Mit der Bahn. Das wäre an dieser Stelle auch mein allererster Ratschlag, wenn auch Du nachhaltiger reisen möchtest. Die Bahn und der Bus sind die beiden umweltfreundlichsten Verkehrsmittel – ganz gleich ob im Nah- oder Fernverkehr. Wähle also für deinen nächsten Urlaub Orte aus, die auf Rädern gut zu erreichen sind. Solltest Du auf eine Fernreise nicht verzichten wollen, dann plane den Trip zumindest so lang wie möglich. Lieber seltener und dafür länger reisen ist also die Devise. 

Es gibt sehr viele verschiedene Möglichkeiten, um umweltfreundlich zu reisen. Ich möchte Dir hier noch zehn weitere Tipps an die Hand geben, die einfach umzusetzen sind. Vielleicht lässt Du Dich davon inspirieren und gestaltest eure nächste Reise fairer und nachhaltiger:

Nachhaltig reisen

Entdecke die nähere Umgebung

Es muss ja nicht immer die Tropeninsel sein. In und um Deutschland herum liegen wunderschöne Reisedestinationen, die Du vielleicht momentan noch garnicht ins Auge gefasst hast. In viele Länder kannst Du bequem mit der Bahn anreisen. So sparst Du zusätzlich an CO2-Emissionen.

Kompensiere Deine Flugmeilen

Wenn es nicht anders geht und Du unbedingt ins Flugzeug steigen möchtest, dann kompensiere die damit verursachten CO2-Emissionen, in dem Du Geld für ein Umweltprojekt spendest. Schau dafür zum Beispiel auf die Seite atmosfair.de. Eine Flugreise nach San Francisco verursacht zum Beispiel über 6000 kg CO2. Um dies zu kompensieren, müsstest Du 141 Euro an ein Umweltprojekt spenden. Kompensation ist sicher kein Allheilmittel, aber die Idee dahinter ist, dass uns allen mehr bewusst wird, wie schädlich Flugreisen tatsächlich sind und welchen Preis sie eigentlich haben sollten. Flugreisen generell zu vermeiden oder zumindest einzuschränken ist immer die bessere Alternative.

Buche umweltfreundliche Unterkünfte

Informiere Dich vor Deiner Reise auf der Internetseite des Hotels oder der Unterkunft Deiner Wahl darüber, ob das Unternehmen Wert auf Nachhaltigkeit legt. Wenn dem so ist, wird sich im Netz ein klares Statement dazu finden lassen. Du kannst es Dir aber auch leicht machen und über bookitgreen.de nach geeigneten Unterkünften suchen. 

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Unterstütze die lokale Bevölkerung

Touri-Programme sind bequem, aber meistens erfährst Du dadurch nichts Nennenswertes über Land und Leute und unterstützt damit nur den Reiseanbieter – die einheimische Bevölkerung geht leer aus. Schau Dir doch lieber die kleinen verwunschenen Gassen an, kehre ab vom Tourismuspfad und trau Dich, auf die BewohnerInnen zuzugehen und nach Restaurants oder Boutiquen zu fragen. So lernst Du viel mehr über die Kultur und die Menschen und unterstützt lokale Geschäfte.

Müll vermeiden und einsammeln

Viele Touris scheinen ihre Manieren zu Hause zu lassen und werfen ihren Müll in fremden Ländern ungeachtet auf die Straße oder lassen ihn am Strand zurück. Denk immer daran, dass Du im Urlaub auch ein Stück weit Dein Land repräsentierst und natürlich sollten wir auch alle Vorbild für unsere Kinder sein. Also vermeide Müll so gut es geht und  – noch besser – mache einen CleanUp. Das heißt, Du schnappst Dir einen Müllbeutel und befreist die Gehwege, Strände oder wo auch immer Du Dich befindest vom Müll der anderen Leute. Du wirst dadurch sicher Aufmerksamkeit auf Dich ziehen und vielleicht werden Dir sogar andere Urlauber oder Einheimische bei Deiner Aktion helfen. Es ist eine tolle und einfache Art ins Gespräch zu kommen und Menschen für den Umweltschutz zu sensibilisieren. 

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Verzichte auf Pools und Klimaanlagen

Leichter gesagt als getan, wenn es 40 Grad im Schatten sind. Aber Pools und Klimaanlagen schlucken Unmengen an Wasser und Energie. Vielleicht bietet Deine Unterkunft einen Naturpool an. Und wenn es ohne Klimaanlage wirklich garnicht geht, dann schalte diese unbedingt aus, sobald Du die Unterkunft verlässt.

Mach nicht mit bei fragwürdigen Tourismus-Akitivitäten

Es war schon immer mein Traum auf einem Elefanten zu reiten. Als wir vor einigen Jahren schließlich in Thailand unterwegs waren, wollte ich diesen Traum endlich wahr werden lassen. Zum Glück informierte ich mich vorab nochmal ausführlich über die zahlreichen Anbieter von sogenannten Elefanten-Trekking-Touren und da verging mir sehr schnell die Lust, an so etwas teilzunehmen. Die Elefanten werden systematisch misshandelt und müssen sich einem Unterwerfungsprogramm mit brutalen Schlägen unterziehen. Da die Nachfrage am Elefantenreiten so hoch ist, werden die letzten frei lebenden asiatischen Jungelefanten gefangen und so ihrer Familie entrissen. Es ist eine unvorstellbare Tierquälerei, die endlich verboten werden muss. Dies soll nur als Beispiel dienen. Bitte sage bei Touri-Attraktionen, in welche Tiere involviert sind, grundsätzlich NEIN.

Nutze öffentliche Verkehrsmittel

Was zu Hause nachhaltig ist, kann im Urlaub nicht verkehrt sein. Statt eines Mietwagens, kommt man in vielen Ländern hervorragend mit Bus oder Bahn von A nach B. Für kurze Strecken eignen sich geliehene Fahrräder oder man nutzt Carsharing-Angebote. 

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Verzichte auf All Inclusive

Das erste und letzte Mal in meinem Leben haben wir in diesem Winter einen All Inclusive-Urlaub gebucht. Normalerweise sind wir als Selbstversorger unterwegs und tummeln uns gern auf einheimischen Wochenmärkten herum. Aber nach diesem anstrengenden Jahr mit Baby wollten wir uns um nichts kümmern. Als wir aber die Berge an  Essensresten und Plastiksahen, die Tag für Tag im Müll landeten, war uns klar: Nie wieder All Inclusive.

Nachhaltig reisen

Sei eine Inspiration für andere!

Dies gilt für jeden Aspekt des nachhaltigen Lebens. Erzähle Menschen davon, wie Du auf die Umwelt achtest und inspiriere sie dazu, es Dir gleich zu tun. Manche werden es vielleicht als belehrend empfinden, aber lass Dich davon nicht entmutigen. Einige werden Deine Worte im Gedächtnis behalten und es Dir beim nächsten Mal gleich tun. Wir müssen uns mehr trauen und für klare Statements einstehen. Nur so kann die nachhaltige Bewegung wachsen und Schritt für Schritt die breite Masse erreichen. 

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