Winter Wunderland Familienurlaub in Österreich

Winter Wunderland – Unser Familienurlaub im Kinderhotel

Noch sitze ich hier auf der Hotelcouch und tippe die ersten Zeilen dieses Beitrags – wohlwissend, dass er vermutlich erst online gehen wird, wenn wir schon wieder im grauen Berlin sind und Kisten packen (der Umzug naht!).

Denn dies könnte (und soll auch) ein recht ausführlicher Bericht über unseren ersten Urlaub in einem waschechten Kinderhotel werden. Lange Zeit haben wir mit dieser Art von Urlaub gehadert – sind wir doch normalweise eher die Selbstversorger-Reisetypen. Falls es Dir ähnlich gehen sollte, möchte ich Dir hier ein paar Pros und Contras nennen. Vielleicht hilft es Dir dabei, eine Entscheidung für euren nächsten Trip als Familie zu treffen. Außerdem zeige ich Dir einige Einblicke in die fantastische Natur, die unser kleines Nachbarland Österreich insbesondere im Winter zu bieten hat.

Gegen unseren eigenen Strom

Wir sind, wie oben bereits erwähnt, eigentlich alles andere als die klassischen Pauschaltouristen. Normalerweise zieht es uns eher in Gegenden, in denen man Land und Leute kennenlernt und sich in einer schicken oder gemütlichen Bleibe à la Airbnb selbst versorgen muss. Außerdem lieben wir die Sonne und die Wärme, sodass wir dem nasskalten Winter in Berlin meistens durch eine längere Flugreise entfliehen. Die letzten Jahre waren wir daher zu dieser Zeit in Thailand, Kalifornien oder Mallorca unterwegs. Doch diesmal sagte uns eine innere Stimme, dass wir es mal anders versuchen sollten. Dass wir der dunklen Jahreszeit eine Chance geben und ihre Schönheit für uns erkennen sollten. Nicht zuletzt waren wir von einer Flugreise abgetörnt, aufgrund des immer spürbareren Klimawandels. Kurzum, wir konnten mit unserem Gewissen einfach keinen Langstreckenflug vereinbaren. Hinzu kam noch, dass ich nach den vergangenen Babymonaten ziemlich ausgelaugt war und auch David sehnte sich nicht nach neuen Abenteuern in der Ferne, sondern eher nach gemütlicher Viersamkeit und auch endlich mal nach etwas mehr Zeit als Paar. Insbesondere letzteres sollte nun endlich Priorität genießen, sodass wir zum ersten Mal in unserem Leben mit einem All Inclusive-Urlaub in näherer Umgebung liebäugelten. Ich durchforstete also das Internet, las gefühlt 5000 Hotelbewertungen, zweifelte dann doch an unserer Idee und recherchierte lieber nach Dschungel-Hütten in Brasilien, landete aber letzten Endes wieder in Österreich und buchte dann schließlich im Kinderhotel Zell am See für zwei Wochen ein Rundum-Sorglos-Paket für Familien: Kidsclub, Skischule, Wellness, Vollverpflegung.

Los geht’s – so stressfrei und nachhaltig wie möglich

Um so nachhaltig wie möglich zu reisen, ließen wir unser Auto stehen und nahmen den Zug. Als positiven Nebeneffekt konnten die Kinder im Abteil herumlaufen beziehungsweise krabbeln und mussten nicht acht Stunden angeschnallt verbringen. Es war mit Abstand die entspannteste Anreise, die wir je hatten. Die Bahn als Transportmittel kann ich in diesem Zusammenhang also nur wärmstens empfehlen und wir werden in Zukunft sicher häufiger Reiseziele auswählen, die man auf Schienen gut erreichen kann. 

Familienurlaub im Kinderhotel- Erholsam oder anstrengend?

Vor der Anreise hatte ich etwas Bammel, dass es im Hotel aufgrund der vielen Kinder tierisch laut, wuselig und chaotisch zugehen würde. Ich nahm extra zwei Packungen Oropax mit und machte mich auf das Schlimmste gefasst. Doch meine Befürchtungen waren unbegründet. Während unseres gesamten Aufenthalts empfand ich den Lautstärkepegel als völlig normal für ein Hotel (ganz gleich ob Kinderhotel oder nicht). Natürlich waren immer viele Kinder zugegen, aber es war nie die Hölle los. Vielleicht bin ich durch meine zwei Jungs auch einfach nur abgehärtet, das kann natürlich auch sein ;). Jedenfalls merkte ich bereits kurz nach der Ankunft, dass hier Entspannung durchaus möglich sein wird. Wir meldeten Johannes für die ersten Tage in der kooperierenden Skischule an, denn wenn schon Winterurlaub, dann richtig. Die Anmeldung erfolgte problemlos und Johannes wurde direkt am Hotel mit dem Skishuttle zur fünf Minuten entfernten Übungspiste abgeholt. David und ich wollten unsere (nicht vorhandenen) Skikünste ebenfalls aufbessern und buchten ganz optimistisch ein paar Privatstunden. Ich rechnete damit, dass wir uns mit dem Unterricht abwechseln mussten, da ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, dass Jakob sich mit seinen elf Monaten von fremden Personen betreuen lassen würde. Trotzdem gab ich der Sache eine Chance und wir absolvierten mit ihm eine Art Blitz-Eingewöhnung im Miniclub. Die Attachment-Parenting-AnhängerInnen schlagen nun vermutlich beide Hände über dem Kopf zusammen. Und glaube mir, auch ich als bekennende Gluckenmutti mit Helikopter-Tendenzen (Achtung, Selbstironie) war sowas von skeptisch… aber Jakob signalisierte uns, dass es für ihn völlig ok ist, bei den ErzieherInnen zu bleiben, sodass wir tatsächlich gemeinsam Ski-Unterricht nehmen konnten. Für uns als Paar war dies ein großes Highlight – hatten wir seit Jakobs Geburt so gut wie NIE Zweisamkeit erleben dürfen. Jakob schläft nämlich nur äußerst ungern allein und hängt wie eine kleine Klette an mir. Das darf er natürlich und ich genieße es die meiste Zeit. Doch für eine Ehe ist dies eine echte Zerreißprobe. David und ich haben ein sehr starkes Band und so schnell bringt uns nichts aus der Fassung. Aber die letzten Monate waren selbst für unsere stabile Beziehung eine Herausforderung. Daher war die Kinderbetreuung ein Segen und wir genossen das Skifahren in vollen Zügen.

Kinderbetreuung – Zu viel des Guten?

Johannes hatte währenddessen viel Spaß bei seinen ersten Versuchen auf der Piste und schon nach wenigen Tagen hatte er es fast besser drauf als wir. Kinder lernen einfach so verdammt schnell, wirklich beneidenswert. Sowieso hatte Johannes in diesem Urlaub den Spaß seines Lebens. Der Kidsclub bot von 9-21 Uhr die unterschiedlichsten Aktivitäten an. Unser Fünfjähriger war eigentlich nur unterwegs und wir sahen ihn an manchen Tagen nur zum Essen. Manchmal war es mir fast zu viel und ich hätte die ein oder andere Sache gern als komplette Familie unternommen. Aber festketten wollte ich ihn natürlich nicht und solange er glücklich war, waren wir es auch. Trotzdem ist dies einer der Knackpunkte an einem Urlaub im Kinderhotel. Die Kinder haben unheimlich viel zu entdecken und kriegen viel geboten – aber eben auch vieles, das gewollt ohne Eltern stattfinden soll. Das ist für die einen ein Segen, für die anderen eher ein Fluch – sollte die Urlaubszeit doch gleichzeitig auch Familienzeit sein. Hier solltest Du vorab genau überlegen und Dich im Hotel informieren, was angeboten wird und wie ihr als Familie die Zeit verbringen möchtet. Nicht selten geht hier die Vorstellung des ein oder anderen Familienmitglieds weiter auseinander als man denkt. Wir nahmen es einfach so hin und sahen die Vorteile darin – wir konzentrierten uns mehr aufs Baby oder wechselten uns mit Wellness, Sport und anderen Erwachsenenaktivitäten ab. Schon ganz nett war das.

Kinderbuffet – Und tschüß, gesunde Ernährung. Wir sehen uns zu Hause wieder!

Warum Restaurants und Hotels immer noch davon ausgehen, dass Kinderessen ungesund und besonders fett- und zuckerhaltig sein muss, bleibt für mich ein Rätsel. Das Kinderhotel Zell am See ist hier leider keine Ausnahme. Waffeln und Eierkuchen zum Frühstück, Pommes und Spaghetti zum Mittag und Abendessen sowie den ganzen Tag Zugang zu einer Eistruhe. Für die Babys gab es ein Babybrei-Buffet. Süße Idee, allerdings auch hier: Butterkekse und Löffelbiskuit als Snacks. Muss doch nicht sein.

Natürlich gab es auch ein Salatbuffet und gekochtes Gemüse – aber dreimal darfst Du raten, wie oft Johannes sich daran bedient hat. Für die Erwachsenen wurde stattdessen ein qualitativ sehr gutes und ausgewogenes Drei-Gänge-Menü serviert. Schade und für mich unverständlich, weshalb Kindern nicht ähnliches angeboten werden kann. Auch in Sachen Nachhaltigkeit ist ein Buffet schwierig, denn meist sind die Augen sehr viel größer als der Magen (nicht nur bei Kindern) uns so werden die Teller viel zu voll geladen. Der Rest bleibt für die Tonne. Ich habe Johannes jedesmal vor dem Essen erklärt, dass er mehrmals zum Buffet laufen kann, um sich etwas nachzunehmen. Wenn doch etwas übrig blieb, aßen David oder ich die Reste auf. Lebensmittel wegwerfen geht für mich garnicht und sollte unbedingt weitestgehend vermieden werden. Genauso negativ empfand ich das nicht vorhandene Bewusstsein für die Vermeidung von Müll im Allgemeinen. Wer in diesen Tagen noch Strohhalme aus Plastik verteilt, der hat es einfach nicht kapiert. Warum auch das Eis abgepackt sein musste und nicht hochwertigeres Kugeleis angeboten wurde, kann ich auch nicht nachvollziehen. 

Gerade neben einer Naturkulisse, wie jene in Zell am See, muss man doch als Hotelbetreiber ehrfürchtig alles dafür tun, um diese gewaltige – fast unwirkliche – Schönheit zu erhalten und sie schützen. Wir verbrachten unsere ersten Tage während des heftigen Wintereinbruchs in Österreich und konnten so einmal mehr erleben, wie wunderschön unbändige Natur sein kann und wie klein und unbedeutend wir Menschen gegen sie aussehen.

Fazit – Kinderhotel ist nicht Jedermanns Sache, aber einen Versuch wert!

Wir hatten eine erholsame Zeit in Zell am See mit unvergesslichen Momenten in dem Winter Wunderland, das Österreich zu bieten hat. Für Johannes war es wohl mit einer der schönsten Urlaube überhaupt. Nirgendwo sonst hat er so schnell Freunde gefunden, so viele unterschiedliche Abenteuer erlebt: er hat Ski fahren gelernt, ist mit uns gemeinsam Schlittenkutsche gefahren, war auf einer Fackelwanderung, hat eine Winterparty gefeiert und und und. Dafür hat sich der Urlaub allemal gelohnt und auch wir kamen in Sachen Entspannung sehr gut auf unsere Kosten. Etwas mehr Zeit zu Viert und etwas weniger ungesundes Essen hätte ich mir dann aber schon gewünscht. Daher werden wir den nächsten Urlaub wohl doch wieder als Selbstversorger planen.

Für diesen Beitrag wurde ich NICHT bezahlt oder anderweitig entlohnt.

One Comment

  1. MONIKA Genschow

    Seeehr schön….sooo interessanter Beitrag Maus!!

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